Seit 1 Uhr bin ich wieder wach. Um 8 Uhr ins Bett geflüchtet, und jetzt sitze ich hier. Der Reflux brennt in der Speiseröhre, die Angst brennt im Kopf. Es ist der absolute Tiefpunkt seit meiner Entlassung.
Ich versuche, an Berlin zu denken. Daran, dass ich es schon einmal geschafft habe, mich aus dem Dreck zu ziehen. Aber die Erinnerung verblasst gegen die aktuelle Angst: Was, wenn es dieses Mal nicht klappt? Was, wenn die Reha abgelehnt wird? Mein Körper streikt. Kleinste Anstrengungen machen mich komplett müde, meine Konzentration ist im Eimer, ich vergesse ständig Dinge. Und dann kommen die gut gemeinten Ratschläge: „Komm, wird schon, du findest wieder einen Job.“ Echt? Seht ihr die Wirtschaftslage nicht? Die Konkurrenz ist riesig, und ich stelle mich dort als nicht-studierter, gesundheitlich angeschlagener Kandidat hinten an. Das ist keine Schwarzmalerei, das ist Realismus.
Dazu die Wut auf mich selbst. Dass ich das verdammte Rauchen nicht lassen kann. Dass ich wie ein Naivling auf die Lotto-App starre und hoffe, dass 250.000 Euro vom Himmel fallen, die mich schuldenfrei machen und mir einfach nur Ruhe erkaufen. Ruhe… auch vor dem Thema Beziehungen. Nach dem Erlebnis im Krankenhaus scheint mir das unmöglicher denn je. Ich kann gut alleine sein – aber will ich das wirklich für immer? Es sind zu viele Fragen für eine Nacht. Und keine einzige Antwort in Sicht.
