Ein König der Schande – Danke RTL, danke Deutschland.

RTL hat es wieder geschafft. Im tiefsten Sumpf des Unterschichten-Fernsehens krönt man einen Mann zum König, der eigentlich in der öffentlichen Versenkung hätte verschwinden müssen. Aber für die Quote verkauft man dort bekanntlich alles – auch den letzten Rest Anstand. Gil Ofarim geht als Sieger aus dem Dschungel. Ein Mann, der dafür gesorgt hat, dass ein Hotelmitarbeiter (Markus W.) den Horror seines Lebens durchmachen musste. Ofarim behauptete wider besseres Wissen, antisemitisch beleidigt worden zu sein – offensichtlich, um seine damals mäßig laufende Karriere zu pushen. Das Ergebnis? Ein Geständnis, weil die Beweise erdrückend waren, und lächerliche 10.000 Euro Schmerzensgeld. Und jetzt? Jetzt inszeniert er sich als Opfer. Ja, er ist ein Opfer – seiner eigenen massiven Dummheit. Es gibt keinen Maulkorb, er darf nur nicht weiter lügen. Aber das Schlimmste ist nicht RTL. Das Schlimmste sind die Zuschauer. Wer dort anruft und Geld bezahlt, um dieses Individuum zu krönen, beweist eindrucksvoll, wie kaputt der moralische Kompass in diesem Land ist. Wenn ich mir die Wahlergebnisse der AfD ansehe und dann dieses Voting, wird mir klar: Ein erschreckend großer Teil unseres Volkes ist einfach komplett verloren. Ofarim steht ganz oben auf meiner Liste der Menschen, denen ich meine absolute Verachtung direkt ins Gesicht spucken würde, wenn ich sie treffe. Konsequenzen egal. Die Liste ist lang, aber er hat sich den Spitzenplatz redlich verdient.

Und ich versichere, ich habe nicht eine Folge Dschungel gesehen, mir reicht die dauernde, ungewollte Beschallung in jeglichen Medien.

Ups & Downs im Zeitraffer

Ganz komischer Moment gerade. Die letzten zwei Tage waren die Hölle. Grauenvoll, düster, ich hatte teilweise Angst vor meinen eigenen Gedanken. Und heute? Heute ist alles anders. Wie ausgeknipst. Ich bin motiviert, gut gelaunt und gleich unterwegs. Ich habe Energie, von der ich gestern nicht mal wusste, dass ich sie noch besitze. Es ist mir ein Rätsel, woher dieser Umschwung kommt. Ich wundere mich über mich selbst und traue dem Braten noch nicht ganz. Denn im Hinterkopf lauert sofort die typische Angst: Wann kommt der Dämpfer? Darf es mir einfach so gut gehen, oder ist das nur die Fallhöhe für den nächsten Absturz? Egal. Ich nehme den Moment jetzt mit.

1 Uhr nachts: Wenn die Dämonen wach werden

Seit 1 Uhr bin ich wieder wach. Um 8 Uhr ins Bett geflüchtet, und jetzt sitze ich hier. Der Reflux brennt in der Speiseröhre, die Angst brennt im Kopf. Es ist der absolute Tiefpunkt seit meiner Entlassung.

Ich versuche, an Berlin zu denken. Daran, dass ich es schon einmal geschafft habe, mich aus dem Dreck zu ziehen. Aber die Erinnerung verblasst gegen die aktuelle Angst: Was, wenn es dieses Mal nicht klappt? Was, wenn die Reha abgelehnt wird? Mein Körper streikt. Kleinste Anstrengungen machen mich komplett müde, meine Konzentration ist im Eimer, ich vergesse ständig Dinge. Und dann kommen die gut gemeinten Ratschläge: „Komm, wird schon, du findest wieder einen Job.“ Echt? Seht ihr die Wirtschaftslage nicht? Die Konkurrenz ist riesig, und ich stelle mich dort als nicht-studierter, gesundheitlich angeschlagener Kandidat hinten an. Das ist keine Schwarzmalerei, das ist Realismus.

Dazu die Wut auf mich selbst. Dass ich das verdammte Rauchen nicht lassen kann. Dass ich wie ein Naivling auf die Lotto-App starre und hoffe, dass 250.000 Euro vom Himmel fallen, die mich schuldenfrei machen und mir einfach nur Ruhe erkaufen. Ruhe… auch vor dem Thema Beziehungen. Nach dem Erlebnis im Krankenhaus scheint mir das unmöglicher denn je. Ich kann gut alleine sein – aber will ich das wirklich für immer? Es sind zu viele Fragen für eine Nacht. Und keine einzige Antwort in Sicht.

Berlin, der Balkon und das Versprechen

Draußen ist es grau, drinnen leider auch oft genug. Trübes Wetter, trübe Gedanken – eine Kombination, die auch durch viel Arbeit und die Unterstützung eines guten Freundes heute nicht ganz vertrieben werden konnte. Ich bin dabei, mein Leben umzukrempeln. Die Weichen für die Zukunft zu stellen, die Reha zu klären. Ich mache mir nichts vor: Es ist der letzte Versuch, den ich unternehme, um meine psychische Gesundheit noch einmal auf die Reihe zu bekommen. Der „Last Stand“.

Inmitten dieses Chaos hallt ein Satz nach, den mir eine Freundin vorgestern schrieb: „Ole, wir schaffen das irgendwie, aufgeben ist nie eine Option, okay!?“

„Wir“. Ein kleines Wort mit gewaltiger Bedeutung. Denn sie war es, die damals in Berlin dafür gesorgt hat, dass ich nicht den Weg über das Balkongeländer wählte, sondern den in die Klinik. Ein Versprechen, das ich ihr gab, als ich mit dem Pneumothorax flachlag – und das ich seitdem jedem Therapeuten erzählt habe. Es tut gut, an unsere Zeit in Berlin zu denken. An ihre Unterstützung. Gleichzeitig schmerzt die Erinnerung daran, wie hilflos ich mich fühlte, als sie später Hilfe brauchte und ich unfähig war, sie ihr zu geben. Das tut mir bis heute unendlich leid. Aber das „Wir“ steht noch. Und ich hoffe inständig, dass für uns beide wieder bessere Zeiten kommen. Aufgeben ist keine Option. Versprochen ist versprochen.