Berlin, der Balkon und das Versprechen

Draußen ist es grau, drinnen leider auch oft genug. Trübes Wetter, trübe Gedanken – eine Kombination, die auch durch viel Arbeit und die Unterstützung eines guten Freundes heute nicht ganz vertrieben werden konnte. Ich bin dabei, mein Leben umzukrempeln. Die Weichen für die Zukunft zu stellen, die Reha zu klären. Ich mache mir nichts vor: Es ist der letzte Versuch, den ich unternehme, um meine psychische Gesundheit noch einmal auf die Reihe zu bekommen. Der „Last Stand“.

Inmitten dieses Chaos hallt ein Satz nach, den mir eine Freundin vorgestern schrieb: „Ole, wir schaffen das irgendwie, aufgeben ist nie eine Option, okay!?“

„Wir“. Ein kleines Wort mit gewaltiger Bedeutung. Denn sie war es, die damals in Berlin dafür gesorgt hat, dass ich nicht den Weg über das Balkongeländer wählte, sondern den in die Klinik. Ein Versprechen, das ich ihr gab, als ich mit dem Pneumothorax flachlag – und das ich seitdem jedem Therapeuten erzählt habe. Es tut gut, an unsere Zeit in Berlin zu denken. An ihre Unterstützung. Gleichzeitig schmerzt die Erinnerung daran, wie hilflos ich mich fühlte, als sie später Hilfe brauchte und ich unfähig war, sie ihr zu geben. Das tut mir bis heute unendlich leid. Aber das „Wir“ steht noch. Und ich hoffe inständig, dass für uns beide wieder bessere Zeiten kommen. Aufgeben ist keine Option. Versprochen ist versprochen.

Nachholbedarf und Heimatgrüße

Der heutige Sonntag steht unter dem Motto: Koma-Schlaf. Ich habe über 10 Stunden geschlafen, nur unterbrochen vom Tablettenwecker. Mein Zustand ist aktuell irgendwo zwischen wach und matschig – ans Steuer würde ich mich so definitiv nicht setzen. Aber das Sofa ist ja auch ein schöner Ort.

Besonders schön war eine Nachricht meiner besten Freundin aus Berlin. Es tut gut, mal wieder etwas Vertrautes aus der Heimat zu hören, abseits der üblichen Hypes, die man sonst so mitbekommt. Ich nutze den Tag heute noch als letzte Ruheinsel. Ab morgen wartet der bürokratische Wahnsinn und viel Organisationskram auf mich. Aber ich bin bereit, das anzugehen. Macht euch einen gemütlichen Sonntag!

Twice Born – oder: Warum Männer zu Clowns und Frauen zu Drachen werden

Ich habe da eben eine interessante These gehört: Alle 7 Jahre erneuert sich der Mensch. Neuer Zyklus, neue Zellen, neues Glück? Schön wär’s. Angeblich ist man zwischen 42 und 49 in der Phase des „Twice Born“ (Sanskrit für „zweimal geboren“). Frauen entdecken da plötzlich ihr Charisma, reichen die Scheidung ein und beenden die Illusionen. Männer hingegen? Die werden wieder albern wie Kinder.

Realitätscheck bei mir: Treffer, versenkt. 2012, Trennung. Danach habe ich den „albernen Mann“ in Perfektion gespielt. Party, One-Night-Stands, keine Bremse. Warum? Weil ich 10 Jahre lang eingesperrt war und nicht ich selbst sein durfte. Ich habe gelebt, als gäbe es kein Morgen. Aber das Schicksal hat Humor: 2013 und 2014 kamen die Quittungen. TIA, Pneumothorax, Depression. Der Körper hat „Stopp“ geschrien, während der Kopf noch Party wollte. Und heute? Laut Theorie müsste ich weise und gereift sein. Stattdessen kämpfe ich mit einer „dummen Unzufriedenheit“ und Erinnerungen, die sich tiefer eingebrannt haben, als es jede Zellerneuerung löschen könnte. Johannes Oerding singt: „Der Mensch hat die Augen vorne, damit er nicht ständig zurückschaut.“ Guter Plan. Aber mein Rückspiegel ist riesig, und darin sehe ich nicht nur die alten Narben, sondern auch die frischen Wunden – danke an die Mitpatientin für den emotionalen Missbrauch. Vielleicht werde ich ja im nächsten 7-Jahres-Zyklus ein erleuchteter Guru. Bis dahin bleibe ich wohl ein zynischer Realist mit zu viel Gepäck.

Tag 3 in Freiheit – Von Lügnern und Eigentoren

Tag 3 in „Freiheit“. Es läuft. Und wie es läuft. Ich amüsiere mich immer noch königlich über die Anzeige wegen Verleumdung. Manche Leute rennen wirklich mit Anlauf und einem Lächeln gegen die Wand. Wie dumm muss man eigentlich sein? Ich besitze den kompletten Chat-Verlauf als Export. Ich habe die Original-E-Mail. Für die technische Laienspielgruppe da draußen: Damit lässt sich zweifelsfrei beweisen, dass nichts, aber auch gar nichts verändert wurde. Aber das scheint ja ein Trend zu sein: Wenn man beim Lügen erwischt wird, lügt man einfach weiter. Die Strategie der Verlierer. Hat heute eigentlich niemand mehr die Eier in der Hose zu sagen: „Ja, du hast recht, ich habe Scheiße gebaut“? Fehlerkultur? Fehlanzeige. Stattdessen wird gedroht und gejammert. Das letzte Mal, dass ich so eine Realitätsverweigerung erlebt habe, war 2012. Geschichte wiederholt sich, die Dummheit bleibt konstant.

Meine Stimmung? „Lala“. Aber das hält mich nicht davon ab, jetzt erst mal ausgiebig zu duschen und dann endlich mal das Chaos hier zu beseitigen. Die Taschen stehen noch unberührt seit der Ankunft. Aber hey, der Kram läuft nicht weg – im Gegensatz zur Wahrheit, die läuft euch Lügnern nämlich gerade davon. Später noch ein wichtiger Termin. Es bleibt spannend.