Leseprobe zum Roman

Wer mich kennt weiß, ich schreibe ja schon länger, hier mal eine erste Leseprobe:

Kapitel 3: Das Echo der ersten Liebe

Der frische Kaffee dampfte in seiner großen Lieblingstasse, als Martin den schweren Holztisch in der Küche hinter sich ließ. Er brauchte jetzt einen Ort, der ihn umarmte, einen Ort der Ruhe. Langsam trat er in den lichtdurchfluteten Wintergarten. Die Vormittagssonne fiel in goldenen, breiten Bahnen durch die großen Glasscheiben und wärmte die Dielen des Bodens. Martin ließ sich tief in seinen weichen, senfgelben Ohrensessel sinken. Er zog die Beine leicht an, stellte den heißen Kaffee auf den kleinen Beistelltisch und nahm das erste, am stärksten abgegriffene Notizbuch auf den Schoß.

Mit einer fast ehrfürchtigen Bewegung strich er über den brüchigen Ledereinband, bevor er die erste Seite aufschlug.

Carina. Der Name stand dort in seiner eigenen, jugendlich-kantigen Handschrift, geschrieben in verblasster blauer Tinte. Kaum hatte er die ersten Zeilen überflogen, schien sich die Luft im Wintergarten zu verdichten. Die Worte auf dem Papier waren wie ein Schlüssel zu einer Tür, die er vor Jahrzehnten fest verschlossen geglaubt hatte. Die Bilder stürzten mit einer Wucht auf ihn ein, die ihm beinahe den Atem raubte.

Er las von jenem verhängnisvollen Abend. Von dem billigen Alkohol, der heiß durch seine Adern gepumpt war und sein jugendliches Ego künstlich befeuert hatte. Er spürte förmlich wieder den rauen Stoff der Barhocker und hörte das dumpfe Wummern der Bässe. Und er las von der Wette. Dieser unfassbar törichten, idiotischen Wette mit einem Mann, den er damals leichtfertig seinen „Freund“ genannt hatte. Ich kriege sie rum, hatte er prahlerisch gelallt. Wetten?

Die Seiten erzählten von den folgenden sechs Monaten. Einem halben Jahr, in dem er um Carinas Herz gekämpft hatte. Was als dummes, machohaftes Spiel begonnen hatte, war ihm völlig entgleist – auf die schönste erdenkliche Weise. Er hatte sich verliebt. Bedingungslos, unschuldig und mit der ganzen, verzehrenden Wucht einer ersten großen Liebe. Er erinnerte sich an das erste Mal, als sie ihre Hand in seine gelegt hatte, an den Duft ihrer Haare, der nach Pfirsich und Sommerregen roch, und an das Gefühl, dass die Welt plötzlich einen Sinn ergab, solange sie ihn ansah.

Und dann der Sturz. Der Verrat. Die Worte im Buch zeichneten schonungslos nach, wie dieser sogenannte Freund, getrieben von Neid oder bloßer Missgunst, Carina von der anfänglichen Wette erzählt hatte. Martin schloss für einen Moment schmerzerfüllt die Augen. Er konnte Carinas Blick noch immer sehen. Dieses langsame, qualvolle Brechen ihres Vertrauens. Die Tränen, die Wut, das endgültige Abwenden. Er hatte damals nicht nur ihr das Herz gebrochen, sondern auch sein eigenes.

Ein tiefer, schwerer Seufzer entwich seinen Lippen. Noch heute, nach all den Jahren, fraß sich die Schuld wie eine ätzende Säure durch seine Seele. Wie konnte ich nur so unendlich dumm sein?, dachte er bitter.

„Du bist zu hart zu Dir selbst, Martin.“

Die Stimme kam nicht aus seinem Kopf. Sie schwebte samtig und ruhig durch den sonnendurchfluteten Wintergarten. Gleichzeitig mischte sich ein feiner, bläulicher Rauchkräusel in den Duft seines Kaffees. Es roch nach herbem Tabak und nasser Erde.

Martin riss die Augen auf. Im Korbsessel ihm gegenüber, der bis eben noch leer gewesen war, saß Loki.

Er trug wieder den dunklen Trenchcoat, den schwarzen Hut leicht in die Stirn gezogen, und sah aus, als hätte er dort schon den ganzen Morgen gesessen. Gelassen paffte er an seinem Zigarillo, die Beine elegant übereinandergeschlagen.

„Loki…“, entwich es Martin flüsternd. Er krallte seine Finger in das Leder des Buches.

„Ich sagte doch, ich komme wieder, wenn Du nicht damit rechnest“, schmunzelte der Fremde und schnippte etwas Asche in einen imaginären Aschenbecher, woraufhin sie sich noch in der Luft in Nichts auflöste. Sein Blick fiel auf das offene Notizbuch auf Martins Schoß. Die tiefen Furchen in seinem Gesicht wurden weicher, fast mitfühlend.

„Carina“, sagte Loki leise, und der Name klang aus seinem Mund wie ein altes, ehrwürdiges Gedicht. „Eine traurige Geschichte, zweifellos. Ein zerbrochenes Herz ist immer eine Tragödie, besonders wenn es so rein war. Aber mein lieber Martin… wir sprechen hier von jugendlicher Dummheit. Von Hormonen, schlechtem Alkohol und dem Geltungsbedürfnis eines halben Jungen.“

„Ich habe alles zerstört“, widersprach Martin, und die alte Bitterkeit kehrte in seine Stimme zurück. „Aus purem Egoismus. Sie war meine erste große Liebe.“

Loki lachte leise auf. Es war kein herablassendes Lachen, sondern das eines Wesens, das Äonen der menschlichen Fehltritte beobachtet hatte. „Mein Gott, Martin. Mach Dich doch nicht zum größten Sünder der Weltgeschichte. Erinnerst Du Dich eigentlich daran, wie viele Körbe Du davor und danach von anderen Mädchen kassiert hast? Wie oft Du abgewiesen wurdest, weil Du die falschen Worte gewählt hast, zu schüchtern oder zu forsch warst? Das Leben eines Menschen wird auf dem Amboss seiner Fehler geschmiedet. Die Wette war töricht, ja. Aber Deine Liebe in diesen sechs Monaten war es nicht. Sie war echt.“

Martin starrte den Mann an. Die Worte taten gut, legten sich wie ein lindernder Balsam auf die alte Narbe, auch wenn er es sich selbst kaum eingestehen wollte.

Loki beugte sich langsam vor. Sein Blick wurde plötzlich durchdringend, wie zwei leuchtende Klingen im Schatten seiner Hutkrempe. Die entspannte Plauderei war verflogen. Die Luft im Raum schien stillzustehen, selbst die Staubkörnchen im Sonnenlicht froren in ihrer Bewegung ein.

„Die eigentliche Frage, Martin, ist nicht, wie sehr Du Dich heute noch dafür verdammst“, flüsterte Loki, und seine Stimme klang nun wie das Rauschen des Flusses in der vergangenen Nacht. „Die Frage ist eine ganz andere.“

Loki deutete mit der Spitze seines Zigarillos auf das Buch. „Willst Du wirklich an diesen einen Abend zurück? Zurück in die dröhnende Enge dieser Disco, durchdrungen von Nebelmaschinen und bunten Lichtern? Zurück zu dem exakten Moment, als Du sie dort an der Bar zum allerersten Mal gesehen hast?“

Martins Atem stockte. Das Blut rauschte in seinen Ohren, lauter als jeder Herzschlag zuvor. Er starrte in die uralten, unergründlichen Augen des Fremden und begriff, dass dies keine rhetorische Frage war. Es war ein Angebot.

Ein Brief / Mail an meine Mutter

Das heute Erlebte führte mich zu diesem Brief an meine Mutter:

Ich war im Sommer das zweite Mal für 8 Wochen in eine psychatrischen Klinik und im Dezemeber bis Januar noch mal 4 Wochen. Jetzt ist eine 1 Jährige Reha geplant, inklusive einer danach folgenden Maßnahme gegen meine Belastungsstörung, weil ich niemanden mehr lieben kann, nichts fühle wenn mich jemand berührt usw. 

Das habt ihr geschaffen, ein seelisches Wrack, weil Du es weder in der Zeit geschafft hast, als der Alte mich ständig verprügelt hat, noch in der Zeit als er versucht hat Anke zu missbrauchen. Du hast einfach so weiter gemacht, mit Lügen über Lügen und nachher hieß es , Anke hätte gelogen, wir beide haben es gesehen und gehört, wie willst Du Dir das schön reden?

Heute haben Sie meinen Nachbarn abgeholt, der mit Mitte 30 eines natürlichen Todes gestorben ist. Und einen kurzen Moment habe ich gedacht, warum nicht mich? Aber dann dachte ich daran, was ich Dine versprochen habe, nur auf natürlichem Weg die Welt zu verlassen.Ich habe ihr das Versprechen beim Pneumothorax gegeben, bei dem Sie im Krankenhaus war, Du aber am Telefon sagtest: „Ich muss jetzt nicht vorbeikommen oder?“. Einen Satz den ich genauso wenig vergessen werde, wie den Satz an Nils und mich, den Du nüchtern sogar noch wiederholt hast: „Ich bin froh, das beide Steinkamps nie lebenden Nachwuchs hatten.“. Unfassbar, wie kann man als Mutter so etwas sagen zu seinen Söhnen? Nils hat es Dir ja laut Abschiedsbrief verziehen, oder hatte einfach keinen Bock mehr darüber zu diskutieren, weil er wie er es ja mal unserem Erzeuger sagte: „Eh der intelligentere von den Beiden ist.“, damals fand ich es schrecklich, heute verstehe ich in besser. 

Als ich mit den Depressionen in Berlin ins Krankenhaus kam, hattest Du es fast geschafft, dass ich auf die Geschlossene komme (heute Gesicherte) und nur dank einer jungen und sehr guten Psychologin passiert genau das nicht. Sie war es, die Dir auch sagte: „Bitte kommen Sie nicht zu Besuch!“. Unfassbar, ja DU hast finanziell alles ausgeglichen, was Du aus Liebe nicht geben kontest, aber Du hast mich kaputt gemacht. Ich konnte nie wirklich lieben, denn ich war es ja nicht gewohnt. Ich konnte keine irgendwie normale Beziehung führen, ich war nicht mal allermiert als Anke mich öfter mal verprügelt hat. Ich wars ja so gewohnt, ich kannte es nicht anders. Dich hat es einen Dreck interessiert, wie ich in Augsburg lebe, ich sollte nach Nürnberg kommen. Unfassbar und Dine hat mir den wichtigen Wink gegeben, auch zu Dir den Kontakt abzubrechen. 

Ich weiß, ihr hattet beide auch keine einfache Kindheit, aber entweder macht man es besser, oder man lässt es. Der Alte hat Dich, jedenfalls nach seinen Aussagen nach Strich und Faden betrogen und wofür? Wofür habt ihr dieses Konstrukt offen gehalten? Ich pack es nicht mehr. Und ich bin mir dessen nur wieder bewusst geworden, weil der Polizist heute sagte: „Daran sieht man wie vergänglich ein Leben ist, ich weiß es, ich bin trotz Waffe keinen Tag wirklich sicher, genießen Sie ihr Leben, in vollen Zügen.“ Und ich antwortete: „Ja den Spruch gibt es schon länger, aber dann würden sie öfter vor meiner Tür stehen.“ und er erwiderte „Ja wahrscheinlich, aber im Rahmen machen und das können Sie.“. Die beiden Polizisten (Frau und Mann) haben mehr Empathie in den vielleicht 30 Minuten die wir zusammen hatten, gezeigt, als Du im ganzen Leben. Und ja ich bin auch nicht besser, ich hätte ja mir auf die Zunge beissen können, will ich aber nicht, ich schrei raus was mir nicht passt. Gerade kam per Amazon Music: „All for One“ und ich musste dran denken, wie ich die erste große Liebe verloren hatte, deine einzige Antwort: „Andere Mütter haben auch schöne Töchter…“…

Ich wünsche mir, dass Du das hier auch dem Alten vorließt, falls beide noch leben, weiß ich ja nicht. Ich vergesse nie wie er mich in Nürnberg unbedingt entjungfern wollte und im Puff ne Nutte für mich kaufen wollte. Oh Gott, ich war bis heute nicht bei einer, habe nie dafür bezahlt. Und das Beinndruckende, Herr Voss sagte gleich: Lass ihn doch wenn er nicht möchte. 

Danke für nichts in meinem Leben und ich wäre heute nicht da, wo ich bin, wenn ihr nicht so viele Fehler gemacht hättet. Dörte war doch eine Totgeburt, warum musstet ihr noch unbedingt mich erschaffen? Ich habe Euch nicht drum gebeten, also versteht auch, dass ich mehr als Kritik übe.

Der erzeugte Fehler Ole

Wenn es nebenan plötzlich still wird: Ein trauriger Weckruf

Ich stehe gerade massiv unter Schock. Mein direkter Nachbar, Mitte 30, wurde heute tot in seiner Wohnung aufgefunden.

Wir im Haus hatten uns in den letzten Tagen schon gefragt, wo er wohl steckt – unsere Vermutung war, dass er vielleicht im Urlaub ist. Heute kamen dann Verwandte, weil selbst seine Mutter schon länger nichts mehr von ihm gehört hatte, und die traurige Gewissheit kam ans Licht. Man macht sich in so einem Moment natürlich Gedanken. Aber er war neu eingezogen und wollte von sich aus keinen Kontakt zu den anderen drei Parteien im Haus. Es roch auch nicht im Treppenhaus. Mir war lediglich aufgefallen, dass er schon länger keine lauten Filme mehr geschaut hat. Mein naiver Gedanke dazu war: Vielleicht hat er sich endlich Kopfhörer gekauft.

Ein ausdrückliches Lob möchte ich an dieser Stelle der Polizei aussprechen: Die beiden Beamten waren unglaublich einfühlsam und haben mich mehrfach gefragt, ob es mir gut geht oder ob ich Hilfe brauche.

Dieser Tag ist ein absoluter Moment zum Nachdenken. Es zeigt, wie schnell jemand unbemerkt verschwinden kann. Meine Freunde und ich haben heute direkt eine Regel für uns aufgestellt: Wenn wir zwei Tage lang nichts voneinander hören oder lesen, dann handeln wir. Passt auf euch und eure Liebsten auf.

Augen auf bei der Tablettenwahl!

Kennt ihr das? „Oh what a day for a daydream…“ – gestern war eigentlich alles perfekt. Ich habe mich mit Robert getroffen, wir saßen super nett im Wirtshaus Strasser zusammen (Notiz an mich selbst: Ich muss unbedingt meine Bewertung updaten!) und haben das schöne Wetter genossen. Wir haben wahnsinnig viel gelacht.

Allerdings war es wohl irgendwann doch ein bisschen frisch. Jedenfalls wachte ich heute früh mit dezentem Schnupfenalarm auf. Mein genialer Plan: Bevor ich die Augen richtig aufmache, werfe ich einfach schnell zwei ASS 500 ein und die Sache ist erledigt. Tja. Die Augen waren eben wirklich noch nicht richtig offen. Statt der ASS habe ich nämlich im Halbschlaf zielsicher zu zwei Quetiapin 200mg gegriffen.

Das Resultat? Ein herrlich verschlafener Tag. Ich bin kurz nach 20 Uhr überhaupt erst wieder aufgewacht. Jetzt sitze ich hier, wir haben 23 Uhr, und von Müdigkeit ist natürlich keine Spur zu sehen. Jetzt stecke ich in einem echten Teufelskreis und überlege: Was passiert, wenn ich jetzt meine reguläre 200mg-Dosis für den Abend auch noch nehme? Stehe ich dann morgen erst zur Tagesschau auf? Schlafe ich einfach nur fantastisch? Die Höchstdosis liegt ja bei 800mg, und in Berlin hatte ich auch schon 400mg, also rein rechnerisch… ach, ich weiß es wirklich nicht.

Schauen wir mal, wie ich mich heute Nacht selbst überrasche! 😊 Immerhin bleibt die Erinnerung an den wirklich tollen Tag gestern mit Robert.

Nicht mein Wochenende: Achterbahn im Kopf, Streik im Bauch

Gestern war eher ein düsterer Tag. Heute war ich immerhin deutlich früher wach, aber die Stimmung ist… tja, „ja und doch nicht ja“. Irgendwie einfach ganz komisch.

Eigentlich stand dringend Einkaufen auf dem Plan, aber mein Körper hat sich spontan für den „flotten Otto“ entschieden. Das nervt gewaltig. Ich habe jetzt erst mal Kohletabletten geschluckt und den Supermarkt-Besuch gestrichen. Mit dem ständigen Gefühl im Nacken „Es könnte ja plötzlich was passieren…“ durch die Gänge zu rennen? Nein danke, den Stress brauche ich heute wirklich nicht auch noch.

Die bittere Konsequenz: Ich muss dieses Wochenende komplett ohne Süßigkeiten auskommen. Und da das Brot auch alle ist, steht morgen wohl ein Zwangsmarsch zum Bäcker an. Die Gefühle fahren auf und ab, der Bauch rebelliert – ich glaube, ich mache an dieses Wochenende einfach einen Haken. Eindeutig nicht meine Tage.

Und im Musik Center läuft:

Raus aus der Spirale – Auch wenn es ein Jahr dauert.

Ein Tag voller Müdigkeit, voller bleierner Erschöpfung. Und doch ist es ein guter Tag, denn heute ist eine Entscheidung gefallen: Ich gehe in die Langzeit-Reha.

Es ist die einzige Möglichkeit, irgendwie wieder dauerhaft auf die Beine zu kommen. Aber das Gefühl ist schon komisch und flößt mir Respekt ein. Ich war jetzt gut 8 Wochen von zu Hause weg, das war schon lang. Aber eventuell ein ganzes Jahr? Das ist eine völlig andere Ansage. Trotzdem hoffe ich, dass die Empfehlung vom BKH schnell geschrieben ist und ich ganz bald starten kann. Ich will endlich raus aus dieser Spirale. Ich will wieder vorwärtsschauen, will wieder lachen können. Ich möchte mich abends auf den nächsten Tag freuen und nicht nur denken: „Ach, wird schon irgendwie vergehen.“

Im Moment ziehen sich manche Tage endlos wie Kaugummi, ohne dass wirklich etwas passiert. Heute habe ich zum Beispiel wieder über 12 Stunden geschlafen (die Nacht vor meiner Reise waren es nur 6). Ich habe das Gefühl, mein Körper nimmt sich gerade radikal das, was er braucht. Und er braucht gefühlt immer mehr.