Ein Brief / Mail an meine Mutter

Das heute Erlebte führte mich zu diesem Brief an meine Mutter:

Ich war im Sommer das zweite Mal für 8 Wochen in eine psychatrischen Klinik und im Dezemeber bis Januar noch mal 4 Wochen. Jetzt ist eine 1 Jährige Reha geplant, inklusive einer danach folgenden Maßnahme gegen meine Belastungsstörung, weil ich niemanden mehr lieben kann, nichts fühle wenn mich jemand berührt usw. 

Das habt ihr geschaffen, ein seelisches Wrack, weil Du es weder in der Zeit geschafft hast, als der Alte mich ständig verprügelt hat, noch in der Zeit als er versucht hat Anke zu missbrauchen. Du hast einfach so weiter gemacht, mit Lügen über Lügen und nachher hieß es , Anke hätte gelogen, wir beide haben es gesehen und gehört, wie willst Du Dir das schön reden?

Heute haben Sie meinen Nachbarn abgeholt, der mit Mitte 30 eines natürlichen Todes gestorben ist. Und einen kurzen Moment habe ich gedacht, warum nicht mich? Aber dann dachte ich daran, was ich Dine versprochen habe, nur auf natürlichem Weg die Welt zu verlassen.Ich habe ihr das Versprechen beim Pneumothorax gegeben, bei dem Sie im Krankenhaus war, Du aber am Telefon sagtest: „Ich muss jetzt nicht vorbeikommen oder?“. Einen Satz den ich genauso wenig vergessen werde, wie den Satz an Nils und mich, den Du nüchtern sogar noch wiederholt hast: „Ich bin froh, das beide Steinkamps nie lebenden Nachwuchs hatten.“. Unfassbar, wie kann man als Mutter so etwas sagen zu seinen Söhnen? Nils hat es Dir ja laut Abschiedsbrief verziehen, oder hatte einfach keinen Bock mehr darüber zu diskutieren, weil er wie er es ja mal unserem Erzeuger sagte: „Eh der intelligentere von den Beiden ist.“, damals fand ich es schrecklich, heute verstehe ich in besser. 

Als ich mit den Depressionen in Berlin ins Krankenhaus kam, hattest Du es fast geschafft, dass ich auf die Geschlossene komme (heute Gesicherte) und nur dank einer jungen und sehr guten Psychologin passiert genau das nicht. Sie war es, die Dir auch sagte: „Bitte kommen Sie nicht zu Besuch!“. Unfassbar, ja DU hast finanziell alles ausgeglichen, was Du aus Liebe nicht geben kontest, aber Du hast mich kaputt gemacht. Ich konnte nie wirklich lieben, denn ich war es ja nicht gewohnt. Ich konnte keine irgendwie normale Beziehung führen, ich war nicht mal allermiert als Anke mich öfter mal verprügelt hat. Ich wars ja so gewohnt, ich kannte es nicht anders. Dich hat es einen Dreck interessiert, wie ich in Augsburg lebe, ich sollte nach Nürnberg kommen. Unfassbar und Dine hat mir den wichtigen Wink gegeben, auch zu Dir den Kontakt abzubrechen. 

Ich weiß, ihr hattet beide auch keine einfache Kindheit, aber entweder macht man es besser, oder man lässt es. Der Alte hat Dich, jedenfalls nach seinen Aussagen nach Strich und Faden betrogen und wofür? Wofür habt ihr dieses Konstrukt offen gehalten? Ich pack es nicht mehr. Und ich bin mir dessen nur wieder bewusst geworden, weil der Polizist heute sagte: „Daran sieht man wie vergänglich ein Leben ist, ich weiß es, ich bin trotz Waffe keinen Tag wirklich sicher, genießen Sie ihr Leben, in vollen Zügen.“ Und ich antwortete: „Ja den Spruch gibt es schon länger, aber dann würden sie öfter vor meiner Tür stehen.“ und er erwiderte „Ja wahrscheinlich, aber im Rahmen machen und das können Sie.“. Die beiden Polizisten (Frau und Mann) haben mehr Empathie in den vielleicht 30 Minuten die wir zusammen hatten, gezeigt, als Du im ganzen Leben. Und ja ich bin auch nicht besser, ich hätte ja mir auf die Zunge beissen können, will ich aber nicht, ich schrei raus was mir nicht passt. Gerade kam per Amazon Music: „All for One“ und ich musste dran denken, wie ich die erste große Liebe verloren hatte, deine einzige Antwort: „Andere Mütter haben auch schöne Töchter…“…

Ich wünsche mir, dass Du das hier auch dem Alten vorließt, falls beide noch leben, weiß ich ja nicht. Ich vergesse nie wie er mich in Nürnberg unbedingt entjungfern wollte und im Puff ne Nutte für mich kaufen wollte. Oh Gott, ich war bis heute nicht bei einer, habe nie dafür bezahlt. Und das Beinndruckende, Herr Voss sagte gleich: Lass ihn doch wenn er nicht möchte. 

Danke für nichts in meinem Leben und ich wäre heute nicht da, wo ich bin, wenn ihr nicht so viele Fehler gemacht hättet. Dörte war doch eine Totgeburt, warum musstet ihr noch unbedingt mich erschaffen? Ich habe Euch nicht drum gebeten, also versteht auch, dass ich mehr als Kritik übe.

Der erzeugte Fehler Ole

Wenn es nebenan plötzlich still wird: Ein trauriger Weckruf

Ich stehe gerade massiv unter Schock. Mein direkter Nachbar, Mitte 30, wurde heute tot in seiner Wohnung aufgefunden.

Wir im Haus hatten uns in den letzten Tagen schon gefragt, wo er wohl steckt – unsere Vermutung war, dass er vielleicht im Urlaub ist. Heute kamen dann Verwandte, weil selbst seine Mutter schon länger nichts mehr von ihm gehört hatte, und die traurige Gewissheit kam ans Licht. Man macht sich in so einem Moment natürlich Gedanken. Aber er war neu eingezogen und wollte von sich aus keinen Kontakt zu den anderen drei Parteien im Haus. Es roch auch nicht im Treppenhaus. Mir war lediglich aufgefallen, dass er schon länger keine lauten Filme mehr geschaut hat. Mein naiver Gedanke dazu war: Vielleicht hat er sich endlich Kopfhörer gekauft.

Ein ausdrückliches Lob möchte ich an dieser Stelle der Polizei aussprechen: Die beiden Beamten waren unglaublich einfühlsam und haben mich mehrfach gefragt, ob es mir gut geht oder ob ich Hilfe brauche.

Dieser Tag ist ein absoluter Moment zum Nachdenken. Es zeigt, wie schnell jemand unbemerkt verschwinden kann. Meine Freunde und ich haben heute direkt eine Regel für uns aufgestellt: Wenn wir zwei Tage lang nichts voneinander hören oder lesen, dann handeln wir. Passt auf euch und eure Liebsten auf.

Augen auf bei der Tablettenwahl!

Kennt ihr das? „Oh what a day for a daydream…“ – gestern war eigentlich alles perfekt. Ich habe mich mit Robert getroffen, wir saßen super nett im Wirtshaus Strasser zusammen (Notiz an mich selbst: Ich muss unbedingt meine Bewertung updaten!) und haben das schöne Wetter genossen. Wir haben wahnsinnig viel gelacht.

Allerdings war es wohl irgendwann doch ein bisschen frisch. Jedenfalls wachte ich heute früh mit dezentem Schnupfenalarm auf. Mein genialer Plan: Bevor ich die Augen richtig aufmache, werfe ich einfach schnell zwei ASS 500 ein und die Sache ist erledigt. Tja. Die Augen waren eben wirklich noch nicht richtig offen. Statt der ASS habe ich nämlich im Halbschlaf zielsicher zu zwei Quetiapin 200mg gegriffen.

Das Resultat? Ein herrlich verschlafener Tag. Ich bin kurz nach 20 Uhr überhaupt erst wieder aufgewacht. Jetzt sitze ich hier, wir haben 23 Uhr, und von Müdigkeit ist natürlich keine Spur zu sehen. Jetzt stecke ich in einem echten Teufelskreis und überlege: Was passiert, wenn ich jetzt meine reguläre 200mg-Dosis für den Abend auch noch nehme? Stehe ich dann morgen erst zur Tagesschau auf? Schlafe ich einfach nur fantastisch? Die Höchstdosis liegt ja bei 800mg, und in Berlin hatte ich auch schon 400mg, also rein rechnerisch… ach, ich weiß es wirklich nicht.

Schauen wir mal, wie ich mich heute Nacht selbst überrasche! 😊 Immerhin bleibt die Erinnerung an den wirklich tollen Tag gestern mit Robert.

Nicht mein Wochenende: Achterbahn im Kopf, Streik im Bauch

Gestern war eher ein düsterer Tag. Heute war ich immerhin deutlich früher wach, aber die Stimmung ist… tja, „ja und doch nicht ja“. Irgendwie einfach ganz komisch.

Eigentlich stand dringend Einkaufen auf dem Plan, aber mein Körper hat sich spontan für den „flotten Otto“ entschieden. Das nervt gewaltig. Ich habe jetzt erst mal Kohletabletten geschluckt und den Supermarkt-Besuch gestrichen. Mit dem ständigen Gefühl im Nacken „Es könnte ja plötzlich was passieren…“ durch die Gänge zu rennen? Nein danke, den Stress brauche ich heute wirklich nicht auch noch.

Die bittere Konsequenz: Ich muss dieses Wochenende komplett ohne Süßigkeiten auskommen. Und da das Brot auch alle ist, steht morgen wohl ein Zwangsmarsch zum Bäcker an. Die Gefühle fahren auf und ab, der Bauch rebelliert – ich glaube, ich mache an dieses Wochenende einfach einen Haken. Eindeutig nicht meine Tage.

Und im Musik Center läuft:

Raus aus der Spirale – Auch wenn es ein Jahr dauert.

Ein Tag voller Müdigkeit, voller bleierner Erschöpfung. Und doch ist es ein guter Tag, denn heute ist eine Entscheidung gefallen: Ich gehe in die Langzeit-Reha.

Es ist die einzige Möglichkeit, irgendwie wieder dauerhaft auf die Beine zu kommen. Aber das Gefühl ist schon komisch und flößt mir Respekt ein. Ich war jetzt gut 8 Wochen von zu Hause weg, das war schon lang. Aber eventuell ein ganzes Jahr? Das ist eine völlig andere Ansage. Trotzdem hoffe ich, dass die Empfehlung vom BKH schnell geschrieben ist und ich ganz bald starten kann. Ich will endlich raus aus dieser Spirale. Ich will wieder vorwärtsschauen, will wieder lachen können. Ich möchte mich abends auf den nächsten Tag freuen und nicht nur denken: „Ach, wird schon irgendwie vergehen.“

Im Moment ziehen sich manche Tage endlos wie Kaugummi, ohne dass wirklich etwas passiert. Heute habe ich zum Beispiel wieder über 12 Stunden geschlafen (die Nacht vor meiner Reise waren es nur 6). Ich habe das Gefühl, mein Körper nimmt sich gerade radikal das, was er braucht. Und er braucht gefühlt immer mehr.

Danke Bohrmaschinen Vertreter

Mein tiefster, demütigster Dank gebührt heute wieder einmal dem Außendienst eines weltweit bekannten, meist in Rot gehaltenen Bohrmaschinenherstellers.

Das Setting: Zweispurige Landstraße, royale 120 km/h sind freigegeben. Die Realität? Vor mir ein majestätischer Schützenpanzer für die Innenstadt, vulgo: ein völlig überdimensionierter SUV. Der Pilot dieses Ungetüms hatte es sich offenbar zur Lebensaufgabe gemacht, eine Kolonne von fünf Lkw mit atemberaubenden, pulstreibenden 107 km/h zu überholen. Die Lkws waren längst Geschichte, aber der SUV klebte auf der linken Spur wie Kaugummi unterm Schuh. Mein naives, rücksichtsvolles Linksblinken? Ignoriert. Meine dezente, fast schon apologetische Lichthupe? Perlen vor die Säue der verkehrstechnischen Ignoranz.

Doch dann erschien die Erlösung im Rückspiegel: Ein roter VW Passat Kombi. Der Archetyp des deutschen Firmenwagens. Ich erkannte sofort eine exzellente Management-Gelegenheit und tat das, was jeder gute Stratege tut – ich delegierte die Drecksarbeit. Kurzer Schlenker nach rechts, den Passat von der Leine lassen und mich genüsslich als VIP-Zuschauer in seinen Windschatten hängen.

Der weiße Firmen-Schriftzug auf dem Lack hielt, was er versprach. Der Vertriebler im Passat, vermutlich angetrieben von Termindruck, Espresso und Provisionsgier, zündete ein Stroboskop-Gewitter aus der Hölle, gegen das jede 90er-Jahre-Technoparty wie ein Teelicht wirkt. Nach quälenden drei Minuten – wir hatten das rollende Hindernis mittlerweile auf die rasante Reisegeschwindigkeit von 95 km/h heruntergebremst – dämmerte es dem SUV-Kapitän tatsächlich, dass die linke Spur kein ausgewiesener Dauerparkplatz ist.

Als wir endlich an diesem textgewordenen Blutdruck-Steigerer vorbeiziehen durften, bestätigte sich mein schlimmster Verdacht: Ein lebendes Fossil klammerte sich ans Lenkrad, vermutlich gerade auf dem Weg zur wöchentlichen Mumifizierung.

Daher: Ein dreifaches Hoch auf besagte Firma! Danke, dass ihr nicht nur Werkzeuge baut, die durch jede Wand gehen, sondern auch Vertriebler einstellt, die im Straßenverkehr genau diese Mentalität an den Tag legen. Ohne eure Asphalt-Gladiatoren wären wir auf deutschen Landstraßen längst alle an Altersschwäche gestorben.

Schöne Hände und ein seltenes Lächeln

Gestern musste ich schmunzeln. Mir kamen diese schlanken Finger und Hände in den Sinn und ich habe lange gegrübelt, warum mich dieser Gedanke eigentlich so verfolgt. Normalerweise achte ich bei Händen nur auf eine Sache: Ist da ein Ring oder nicht?

Aber dieses Mal war es anders. Mein Kopf hat einfach registriert, wie wunderschön diese Hände waren. Verrückt, ich weiß. Aber in einer Zeit, in der das Lächeln bei mir nicht gerade locker sitzt, war das ein kleiner, echter Glücksmoment. Danke an die Person in der Klinik mit den schönen Händen. Wer es ist? Mein Geheimnis. Nur eine Garantie gibt es: L. war es definitiv nicht.