Twice Born – oder: Warum Männer zu Clowns und Frauen zu Drachen werden

Ich habe da eben eine interessante These gehört: Alle 7 Jahre erneuert sich der Mensch. Neuer Zyklus, neue Zellen, neues Glück? Schön wär’s. Angeblich ist man zwischen 42 und 49 in der Phase des „Twice Born“ (Sanskrit für „zweimal geboren“). Frauen entdecken da plötzlich ihr Charisma, reichen die Scheidung ein und beenden die Illusionen. Männer hingegen? Die werden wieder albern wie Kinder.

Realitätscheck bei mir: Treffer, versenkt. 2012, Trennung. Danach habe ich den „albernen Mann“ in Perfektion gespielt. Party, One-Night-Stands, keine Bremse. Warum? Weil ich 10 Jahre lang eingesperrt war und nicht ich selbst sein durfte. Ich habe gelebt, als gäbe es kein Morgen. Aber das Schicksal hat Humor: 2013 und 2014 kamen die Quittungen. TIA, Pneumothorax, Depression. Der Körper hat „Stopp“ geschrien, während der Kopf noch Party wollte. Und heute? Laut Theorie müsste ich weise und gereift sein. Stattdessen kämpfe ich mit einer „dummen Unzufriedenheit“ und Erinnerungen, die sich tiefer eingebrannt haben, als es jede Zellerneuerung löschen könnte. Johannes Oerding singt: „Der Mensch hat die Augen vorne, damit er nicht ständig zurückschaut.“ Guter Plan. Aber mein Rückspiegel ist riesig, und darin sehe ich nicht nur die alten Narben, sondern auch die frischen Wunden – danke an die Mitpatientin für den emotionalen Missbrauch. Vielleicht werde ich ja im nächsten 7-Jahres-Zyklus ein erleuchteter Guru. Bis dahin bleibe ich wohl ein zynischer Realist mit zu viel Gepäck.

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