Trostträume, fehlende Umarmungen und ein alter Schutzreflex

Es gibt diese Momente, die am helllichten Tag und ohne Schlaf ein Traumbild erzeugen. Ich frage mich oft: Sind das Wunschträume? Oder eher „Trostträume“? Also Träume, die der Kopf selbst erschafft, damit es einem in der Realität nicht mehr ganz so schlecht geht. Aber warum geht es mir schlecht? Ich habe heute eigentlich viel im Haushalt geschafft – und trotzdem reicht es nicht, um mit mir selbst zufrieden zu sein.

Die letzte Nacht hatte mich fest im Griff. Ich habe von den schlimmsten Menschen aus meiner Vergangenheit geträumt. Zwar konnte ich mich im Traum von ihnen befreien, aber als ich aufwachte, war der Strudel im Kopf sofort wieder da. Das führte dazu, dass ich heute bestimmt sechs bis zehn Situationen hatte, in denen ich merkte: Ich bin gerade gar nicht mehr richtig bei mir. Genau in diesen Momenten der Abwesenheit kamen sie dann, diese Trostträume. Surreal, aber unendlich schön.

Und dann kommen die anderen Gedanken. Die Frage, warum ich immer noch absolut nichts empfinde, wenn mich jemand in den Arm nimmt. Liegt es daran, dass ich es einfach nie gelernt habe? Dass mich niemand in den Arm nahm, als ich meine erste große Liebe verlor? Dass meine Mutter mir zur Begrüßung in Berlin nur die Hand gab, statt mich zu drücken? Auch meine langjährige Beziehung hat mir diese Nähe entzogen, weil sie es selbst nicht gewohnt war.

(Kurze Zigarettenpause für den Kopf…)

Nach der Ablenkung kamen mir plötzlich sehr schlanke Hände in den Sinn. Verrückt, aber mir ist gerade ein echtes Licht aufgegangen: Ich weiß jetzt, warum mich damals das Mädel bei Segmüller so sprachlos gemacht hat. Es war die unfassbar große Ähnlichkeit zu meiner Mutter. Nicht optisch, sondern von ihrer ganzen Art her. Mein Gehirn hat sofort einen Schutzreflex ausgelöst. Klingt komisch? Ist aber so.

Zurück in der Realität: Ich habe heute meiner Nachbarin erzählt, dass ich wohl für längere Zeit nicht da sein werde, und ihr auch den Grund (die Depression) genannt. Man merkt sofort diese typische Unsicherheit bei Menschen, die damit noch nie Berührungspunkte hatten. Das ist absolut kein Vorwurf, mir wäre es früher nicht anders gegangen. Aber trotz der Unsicherheit war sofort Hilfsbereitschaft da. Das tat gut.

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