Es gibt diese Tage, die beginnen direkt mit einem schweren Seufzer und einem „Oh Gott“. Heute ist so ein Tag. Ich mag ihn nicht, und um ehrlich zu sein, mag ich mich heute Morgen selbst nicht im Spiegel ansehen. Die Verachtung für mich selbst ist gerade groß, vor allem, weil ich vorgestern Abend wieder trinken musste, um die kreisenden Gedanken in meinem Kopf irgendwie stummzuschalten.
Der Auslöser? Ein Freund fragte mich, ob ich wissen wolle, wie es meinen Eltern geht. Ich wollte es wissen – und die Antwort war wie ein Schlag in die Magengrube. Mein Vater ist fast blind, meine Mutter nach einem Schlaganfall am Rollator. Warum tue ich mir das an? Wollte ich mir bewusst wieder ein schlechtes Gewissen einreden? Mein Unterbewusstsein hat den Rest erledigt: Wirre, schlimme Träume von den beiden haben mich die ganze Nacht geplagt und mich schon um Viertel nach acht aus dem Bett getrieben. Das, und die Tatsache, dass ich meine Tabletten nehmen muss.
Gerade hinterfrage ich einfach alles. Macht die Reha überhaupt Sinn? Wenn ich mit zwei mickrigen Einkaufstüten die Treppen hochsteige, keuche ich so sehr, dass ich mich danach setzen muss. Und als ob die Luftnot nicht reicht, ärgere ich mich maßlos über meine eigene Schwäche: Nach über 280 Tagen rauchfrei hänge ich wieder an den Zigaretten. Ich fühle mich komplett gefangen in der Sucht. Ich weiß, dass niemand das Rauchen „braucht“, aber in mir schreit alles danach. Mit meinem Lungenemphysem frage ich mich voller Angst, wie lange ich das so noch schaffe. Sogar jetzt, während ich diese Zeilen tippe, giert mein Kopf nach der morgendlichen Zigarette.
Wenn ich ehrlich bin, bewahrt mich aktuell wohl nur das schöne Frühlingswetter vor einem kompletten Zusammenbruch und der Rückkehr in die Klinik – auch wenn ich davon nur indirekt profitiere. Dass die Arbeit an meinem Buch an solchen Tagen ruht, versteht sich von selbst.
Heute ist ein absoluter Tiefpunkt. Ein Tag, dem ich mich am liebsten entziehen würde, dem ich mich aber stellen muss.