Meinungsfreiheit, Schnarchen und der Wunsch nach Stille

Statusbericht, Abend 2: Mein Schlafdefizit ist massiv. Mein Zimmergenosse sägt nachts ganze Urwälder ab – 04:30 Uhr war mein letzter bewusster Blick auf die Uhr.

Tagsüber geht der Terror weiter, nur verbal. Er ist der klassische „Man darf ja nichts mehr sagen“-Verfechter, der jede Stille mit ungefragten Vorträgen über Nationalstolz füllt. Er versteht das Konzept von Privatsphäre oder Kopfhörern nicht. Newsflash: In Deutschland darf man alles sagen. Man muss nur damit leben, dass das Gegenüber (ich) das Gesagte für absoluten Schwachsinn hält. Meinungsfreiheit schützt nicht vor Widerspruch.

Ich muss mich extrem zusammenreißen und abgrenzen. Der Gedanke an eine kreative Nutzung des Kopfkissens zur Lärmbekämpfung ist zwar präsent, wird aber (selbstverständlich!) nicht in die Tat umgesetzt. Ich bin ja hier, um gesund zu werden, nicht um straffällig zu werden.

Spannender Kontrast dazu: Eine junge Patientin mit Autismus, die mich völlig überrascht hat. Sie passt in kein Klischee und zeigt mir, wie vielfältig Wahrnehmung sein kann – ganz ohne politisches Geschwurbel.

Dazu passt der Soundtrack in meinem Kopf: „Zum Geläut“ von Clowns & Helden. Erschreckend zeitlos. Mein Kopf ist Chaos, alles dreht sich. Ich hoffe, die zweite Nacht wird ruhiger. Oder zumindest politisch korrekter.

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