Mitten in meinen jetzigen Klinik-Alltag platzte heute eine Nachricht aus der Vergangenheit – oder besser gesagt: aus dem Sommer. Eine Mitpatientin von damals hat mir geschrieben. Ihre Worte haben mich berührt, aber sie haben mir auch Sorgen gemacht.
Ich hoffe inständig, dass sie die Kurve kriegt und es ihr bald besser geht. Es ist selten, dass mir Menschen so wichtig sind. Ich lasse nicht viele an mich heran, aber sie hat einen festen Platz bei mir. Ihre Gesundheit und ihr Weg liegen mir wirklich am Herzen. Manchmal sind es genau diese Verbindungen aus den schweren Zeiten, die am meisten zählen.
Momentan weiß ich morgens oft nicht, wie ich den Tag überstehen soll.
Schon beim Aufwachen ist da diese Schwere, diese Unsicherheit, wie der nächste Schritt aussehen könnte.Es fühlt sich fast absurd an zu sehen, wie andere Rehabilitand:innen ihren Alltag weiterleben, scheinbar selbstverständlich, während ich danebenstehe, zuschaue und nicht weiß, in welche Richtung ich gehen soll.
Warum wirft mich gerade diese Weihnachtszeit so aus der Bahn?
Was mache ich falsch?So viele Fragen kreisen unaufhörlich in meinem Kopf –
und gleichzeitig fehlt mir die Kraft, immer wieder nach Antworten zu suchen.
Es ist, als würde schon das Fragen selbst zu viel Energie kosten.Es fühlt sich an, als würde mir alles entgleiten.
Panik breitet sich aus, dieses ständige, unterschwellige Gefühl von Angst.
Egal, ob ich versuche, mich abzulenken
oder im Bett liege –
ich kann nicht zur Ruhe kommen.Mein Inneres ist eng. Stickig. Schwer.
Mir fehlt jegliche Stabilität.
Die Gedanken drängen von allen Seiten,
unaufhörlich, überwältigend.Die Tage erdrücken mich.
Jeder einzelne Tag kostet unendlich viel Kraft.Ich sehne mich nach Normalität.
Doch selbst wenn sie bald zurückkehrt, diese Normalität –
bringt sie wirklich Erleichterung?
Oder ist sie nur eine weitere Flucht,
zurück in den Alltag,
um nicht fühlen zu müssen,
was mich gerade so quält?Ich gehe täglich spazieren, oft bis zu 14.000 Schritte.
Doch egal, wie weit ich gehe –
ich kann mir selbst nicht entkommen.
Die Gedanken, die Gefühle –
sie begleiten mich, unermüdlich, auf jedem Schritt.
Dieses starke Bedürfnis, wegzulaufen, bleibt –
weg von mir selbst, weg von den drängenden Gefühlen.Ein super Begleiter hierbei, mein Auto. Jederzeit flüchten. Wohin ich auch will,
wenn sich alles wieder zu eng anfühlt.
Allein dieser Gedanke bedeutete für mich Erleichterung.
Gleichzeitig weiß ich, dass ich mit den Medikamenten momentan kein Auto fahren sollte.
Aus Vernunft und Selbstschutz habe ich den Schlüssel wieder abgegeben.
Die Fluchtimpulse sind zu groß.Und trotzdem –
tief in mir trage ich den Wunsch nach Erleichterung.
Die Angst ist da, sie flüstert, wie lange hältst du all das noch aus ?
Und doch halte ich mich an dem Gedanken fest:
Entlastung ist möglich.
Es darf leichter werden.
Schritt für Schritt. Tag für Tag.
Und bis dahin –
bin ich nicht allein.