Der Therapie-Stadl und die akustische Folter

Heute ist wieder so ein Tag, an dem die Müdigkeit mein bester Freund ist. Meine Smartwatch behauptet frech, ich hätte die letzten zwei Nächte nur „Nickerchen“ gemacht. Entweder ist das Ding Elektroschrott, oder das nächtliche Gegrunze meines Zimmernachbarn qualifiziert sich mittlerweile als Lärmbelästigung nach der Genfer Konvention. Sport fällt auch aus, der rechte Fuß streikt. Aber hey, ich bin 55. Da darf man schon mal auseinanderfallen. Laut Herrn Merz darf ich in diesem Zustand ja „nur“ noch 15 Jahre malochen. Die Vorfreude ist grenzenlos.

Die Therapiestunde von gestern liegt mir noch wie ein Stein im Magen, aber nach außen hin steht die Fassade 1A. Meine Maske sitzt so perfekt, da würde jeder Hollywood-Star vor Neid erblassen. Willkommen im „Therapie-Stadl der fröhlichen Depressionen“! Zum Thema Herz: Sie soll glücklich sein. Schön. Wünscht man das nicht jedem? (Außer vielleicht den kleinen, fiesen Wunsch, dass man unvergessen bleibt und im Kopf des anderen spukt?).

Gleich gibt’s Akupunktur. Mein einziges Gebet: Lass den Zimmernachbarn bloß wegbleiben. Sein Gekeuche, Gestöhne und seine Unruhe sind schlimmer als Verona Pooth beim Singen. Ich würde jederzeit eine 24-Stunden-Kreissäge vorziehen. Einziger Lichtblick: Anfang nächster Woche kommt eine ehemalige Patientin von E1 zurück. Jemand, der mich versteht. Endlich wieder normale Leute.

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