Wenn es nebenan plötzlich still wird: Ein trauriger Weckruf

Ich stehe gerade massiv unter Schock. Mein direkter Nachbar, Mitte 30, wurde heute tot in seiner Wohnung aufgefunden.

Wir im Haus hatten uns in den letzten Tagen schon gefragt, wo er wohl steckt – unsere Vermutung war, dass er vielleicht im Urlaub ist. Heute kamen dann Verwandte, weil selbst seine Mutter schon länger nichts mehr von ihm gehört hatte, und die traurige Gewissheit kam ans Licht. Man macht sich in so einem Moment natürlich Gedanken. Aber er war neu eingezogen und wollte von sich aus keinen Kontakt zu den anderen drei Parteien im Haus. Es roch auch nicht im Treppenhaus. Mir war lediglich aufgefallen, dass er schon länger keine lauten Filme mehr geschaut hat. Mein naiver Gedanke dazu war: Vielleicht hat er sich endlich Kopfhörer gekauft.

Ein ausdrückliches Lob möchte ich an dieser Stelle der Polizei aussprechen: Die beiden Beamten waren unglaublich einfühlsam und haben mich mehrfach gefragt, ob es mir gut geht oder ob ich Hilfe brauche.

Dieser Tag ist ein absoluter Moment zum Nachdenken. Es zeigt, wie schnell jemand unbemerkt verschwinden kann. Meine Freunde und ich haben heute direkt eine Regel für uns aufgestellt: Wenn wir zwei Tage lang nichts voneinander hören oder lesen, dann handeln wir. Passt auf euch und eure Liebsten auf.

Augen auf bei der Tablettenwahl!

Kennt ihr das? „Oh what a day for a daydream…“ – gestern war eigentlich alles perfekt. Ich habe mich mit Robert getroffen, wir saßen super nett im Wirtshaus Strasser zusammen (Notiz an mich selbst: Ich muss unbedingt meine Bewertung updaten!) und haben das schöne Wetter genossen. Wir haben wahnsinnig viel gelacht.

Allerdings war es wohl irgendwann doch ein bisschen frisch. Jedenfalls wachte ich heute früh mit dezentem Schnupfenalarm auf. Mein genialer Plan: Bevor ich die Augen richtig aufmache, werfe ich einfach schnell zwei ASS 500 ein und die Sache ist erledigt. Tja. Die Augen waren eben wirklich noch nicht richtig offen. Statt der ASS habe ich nämlich im Halbschlaf zielsicher zu zwei Quetiapin 200mg gegriffen.

Das Resultat? Ein herrlich verschlafener Tag. Ich bin kurz nach 20 Uhr überhaupt erst wieder aufgewacht. Jetzt sitze ich hier, wir haben 23 Uhr, und von Müdigkeit ist natürlich keine Spur zu sehen. Jetzt stecke ich in einem echten Teufelskreis und überlege: Was passiert, wenn ich jetzt meine reguläre 200mg-Dosis für den Abend auch noch nehme? Stehe ich dann morgen erst zur Tagesschau auf? Schlafe ich einfach nur fantastisch? Die Höchstdosis liegt ja bei 800mg, und in Berlin hatte ich auch schon 400mg, also rein rechnerisch… ach, ich weiß es wirklich nicht.

Schauen wir mal, wie ich mich heute Nacht selbst überrasche! 😊 Immerhin bleibt die Erinnerung an den wirklich tollen Tag gestern mit Robert.

Nicht mein Wochenende: Achterbahn im Kopf, Streik im Bauch

Gestern war eher ein düsterer Tag. Heute war ich immerhin deutlich früher wach, aber die Stimmung ist… tja, „ja und doch nicht ja“. Irgendwie einfach ganz komisch.

Eigentlich stand dringend Einkaufen auf dem Plan, aber mein Körper hat sich spontan für den „flotten Otto“ entschieden. Das nervt gewaltig. Ich habe jetzt erst mal Kohletabletten geschluckt und den Supermarkt-Besuch gestrichen. Mit dem ständigen Gefühl im Nacken „Es könnte ja plötzlich was passieren…“ durch die Gänge zu rennen? Nein danke, den Stress brauche ich heute wirklich nicht auch noch.

Die bittere Konsequenz: Ich muss dieses Wochenende komplett ohne Süßigkeiten auskommen. Und da das Brot auch alle ist, steht morgen wohl ein Zwangsmarsch zum Bäcker an. Die Gefühle fahren auf und ab, der Bauch rebelliert – ich glaube, ich mache an dieses Wochenende einfach einen Haken. Eindeutig nicht meine Tage.

Und im Musik Center läuft:

Raus aus der Spirale – Auch wenn es ein Jahr dauert.

Ein Tag voller Müdigkeit, voller bleierner Erschöpfung. Und doch ist es ein guter Tag, denn heute ist eine Entscheidung gefallen: Ich gehe in die Langzeit-Reha.

Es ist die einzige Möglichkeit, irgendwie wieder dauerhaft auf die Beine zu kommen. Aber das Gefühl ist schon komisch und flößt mir Respekt ein. Ich war jetzt gut 8 Wochen von zu Hause weg, das war schon lang. Aber eventuell ein ganzes Jahr? Das ist eine völlig andere Ansage. Trotzdem hoffe ich, dass die Empfehlung vom BKH schnell geschrieben ist und ich ganz bald starten kann. Ich will endlich raus aus dieser Spirale. Ich will wieder vorwärtsschauen, will wieder lachen können. Ich möchte mich abends auf den nächsten Tag freuen und nicht nur denken: „Ach, wird schon irgendwie vergehen.“

Im Moment ziehen sich manche Tage endlos wie Kaugummi, ohne dass wirklich etwas passiert. Heute habe ich zum Beispiel wieder über 12 Stunden geschlafen (die Nacht vor meiner Reise waren es nur 6). Ich habe das Gefühl, mein Körper nimmt sich gerade radikal das, was er braucht. Und er braucht gefühlt immer mehr.

Danke Bohrmaschinen Vertreter

Mein tiefster, demütigster Dank gebührt heute wieder einmal dem Außendienst eines weltweit bekannten, meist in Rot gehaltenen Bohrmaschinenherstellers.

Das Setting: Zweispurige Landstraße, royale 120 km/h sind freigegeben. Die Realität? Vor mir ein majestätischer Schützenpanzer für die Innenstadt, vulgo: ein völlig überdimensionierter SUV. Der Pilot dieses Ungetüms hatte es sich offenbar zur Lebensaufgabe gemacht, eine Kolonne von fünf Lkw mit atemberaubenden, pulstreibenden 107 km/h zu überholen. Die Lkws waren längst Geschichte, aber der SUV klebte auf der linken Spur wie Kaugummi unterm Schuh. Mein naives, rücksichtsvolles Linksblinken? Ignoriert. Meine dezente, fast schon apologetische Lichthupe? Perlen vor die Säue der verkehrstechnischen Ignoranz.

Doch dann erschien die Erlösung im Rückspiegel: Ein roter VW Passat Kombi. Der Archetyp des deutschen Firmenwagens. Ich erkannte sofort eine exzellente Management-Gelegenheit und tat das, was jeder gute Stratege tut – ich delegierte die Drecksarbeit. Kurzer Schlenker nach rechts, den Passat von der Leine lassen und mich genüsslich als VIP-Zuschauer in seinen Windschatten hängen.

Der weiße Firmen-Schriftzug auf dem Lack hielt, was er versprach. Der Vertriebler im Passat, vermutlich angetrieben von Termindruck, Espresso und Provisionsgier, zündete ein Stroboskop-Gewitter aus der Hölle, gegen das jede 90er-Jahre-Technoparty wie ein Teelicht wirkt. Nach quälenden drei Minuten – wir hatten das rollende Hindernis mittlerweile auf die rasante Reisegeschwindigkeit von 95 km/h heruntergebremst – dämmerte es dem SUV-Kapitän tatsächlich, dass die linke Spur kein ausgewiesener Dauerparkplatz ist.

Als wir endlich an diesem textgewordenen Blutdruck-Steigerer vorbeiziehen durften, bestätigte sich mein schlimmster Verdacht: Ein lebendes Fossil klammerte sich ans Lenkrad, vermutlich gerade auf dem Weg zur wöchentlichen Mumifizierung.

Daher: Ein dreifaches Hoch auf besagte Firma! Danke, dass ihr nicht nur Werkzeuge baut, die durch jede Wand gehen, sondern auch Vertriebler einstellt, die im Straßenverkehr genau diese Mentalität an den Tag legen. Ohne eure Asphalt-Gladiatoren wären wir auf deutschen Landstraßen längst alle an Altersschwäche gestorben.

Schöne Hände und ein seltenes Lächeln

Gestern musste ich schmunzeln. Mir kamen diese schlanken Finger und Hände in den Sinn und ich habe lange gegrübelt, warum mich dieser Gedanke eigentlich so verfolgt. Normalerweise achte ich bei Händen nur auf eine Sache: Ist da ein Ring oder nicht?

Aber dieses Mal war es anders. Mein Kopf hat einfach registriert, wie wunderschön diese Hände waren. Verrückt, ich weiß. Aber in einer Zeit, in der das Lächeln bei mir nicht gerade locker sitzt, war das ein kleiner, echter Glücksmoment. Danke an die Person in der Klinik mit den schönen Händen. Wer es ist? Mein Geheimnis. Nur eine Garantie gibt es: L. war es definitiv nicht.

Trostträume, fehlende Umarmungen und ein alter Schutzreflex

Es gibt diese Momente, die am helllichten Tag und ohne Schlaf ein Traumbild erzeugen. Ich frage mich oft: Sind das Wunschträume? Oder eher „Trostträume“? Also Träume, die der Kopf selbst erschafft, damit es einem in der Realität nicht mehr ganz so schlecht geht. Aber warum geht es mir schlecht? Ich habe heute eigentlich viel im Haushalt geschafft – und trotzdem reicht es nicht, um mit mir selbst zufrieden zu sein.

Die letzte Nacht hatte mich fest im Griff. Ich habe von den schlimmsten Menschen aus meiner Vergangenheit geträumt. Zwar konnte ich mich im Traum von ihnen befreien, aber als ich aufwachte, war der Strudel im Kopf sofort wieder da. Das führte dazu, dass ich heute bestimmt sechs bis zehn Situationen hatte, in denen ich merkte: Ich bin gerade gar nicht mehr richtig bei mir. Genau in diesen Momenten der Abwesenheit kamen sie dann, diese Trostträume. Surreal, aber unendlich schön.

Und dann kommen die anderen Gedanken. Die Frage, warum ich immer noch absolut nichts empfinde, wenn mich jemand in den Arm nimmt. Liegt es daran, dass ich es einfach nie gelernt habe? Dass mich niemand in den Arm nahm, als ich meine erste große Liebe verlor? Dass meine Mutter mir zur Begrüßung in Berlin nur die Hand gab, statt mich zu drücken? Auch meine langjährige Beziehung hat mir diese Nähe entzogen, weil sie es selbst nicht gewohnt war.

(Kurze Zigarettenpause für den Kopf…)

Nach der Ablenkung kamen mir plötzlich sehr schlanke Hände in den Sinn. Verrückt, aber mir ist gerade ein echtes Licht aufgegangen: Ich weiß jetzt, warum mich damals das Mädel bei Segmüller so sprachlos gemacht hat. Es war die unfassbar große Ähnlichkeit zu meiner Mutter. Nicht optisch, sondern von ihrer ganzen Art her. Mein Gehirn hat sofort einen Schutzreflex ausgelöst. Klingt komisch? Ist aber so.

Zurück in der Realität: Ich habe heute meiner Nachbarin erzählt, dass ich wohl für längere Zeit nicht da sein werde, und ihr auch den Grund (die Depression) genannt. Man merkt sofort diese typische Unsicherheit bei Menschen, die damit noch nie Berührungspunkte hatten. Das ist absolut kein Vorwurf, mir wäre es früher nicht anders gegangen. Aber trotz der Unsicherheit war sofort Hilfsbereitschaft da. Das tat gut.