Der „PayPal-Button“ für Gefühle (oder: Warum Vergessen nicht so einfach ist)

„Schlag sie dir aus dem Kopf.“

Diesen Satz schrieb mir ein Bekannter heute. Ich musste fast lachen. Klar, dachte ich. Ist ja total einfach. Gefühle haben ja bekanntlich diese praktischen kleinen Schalter, die man einfach umlegen kann. Klick – und alles ist weg. Das funktioniert ungefähr so reibungslos wie das Bezahlen mit PayPal … NICHT!

Wenn es doch nur so leicht wäre. Aber ich werde diese Blicke nie vergessen. Und nein, ich habe mir das nicht eingebildet – es haben sogar andere deutlich bemerkt. Da ist immer noch so viel: dieser Beschützerinstinkt und diese massive Neugier auf einen Menschen, der mich wirklich fasziniert.

Warum ich nicht loslassen kann? Weil ich glaube, dass sie ein ganz wundervoller Mensch ist. Jemand, mit dem man lachen kann, Nächte durchquatschen, einfach eine verdammt gute Zeit haben. Klingt komisch? Ist aber so.

Ich fühle das einfach. Und wenn das Schicksal mir schon solche Hammerschläge verpasst, dann will ich dem Schicksal auch mal glauben. Schlimmer werden kann es ja schließlich nicht.

Nichts fasziniert uns mehr, als was uns irritiert.

Die Willkür

Die Ambivalenz

Die doppelte Botschaft

Die Logik, des scheinbar Unlogischen.

Gott ist nicht begreifbar und wer nicht begreifbar ist, ist Gott.

Akupunktur? Eher Folterkammer.

Unfassbar. Da lässt man sich pieksen, um zu entspannen, fällt in einen Powernap – und was macht das Gehirn? Es projiziert sie. Zweimal Akupunktur, zweimal Schlaf, zweimal sie. Dieses zarte, beschützenswerte Etwas, das mich so massiv verzaubert hat, tanzt mir auf der Nase herum, sobald ich die Augen schließe. Danke für nichts.

Irgendwas will mir das Schicksal wohl damit sagen. Aber das Schicksal ist offensichtlich ein sadistischer Clown. Will es mir sagen: „Kämpfe!“? Oder lacht es sich ins Fäustchen und flüstert: „Alter, du bist 55, hast die Niete gezogen, und jetzt quäle ich dich noch ein bisschen, damit du lernst, wie man leidet“? Morgen ist Übernachtungstraining. Viel Zeit, um sich in der Einsamkeit Gedanken zu machen. Na bravo. Wenigstens gibt es den Stream. Ablenkung ist die einzige Medizin, die wirkt. Und die Lehre daraus? Vermutlich soll ich das Erlebnis nehmen, danke sagen und die verdammte Mauer um mein Herz noch drei Meter höher ziehen und Stacheldraht oben draufpacken.

Wenn der Größenwahn im Putzeimer landet

Es gibt Menschen, deren Selbstbewusstsein so aufgebläht ist, dass es eigentlich physikalisch unmöglich ist, dass sie durch normale Türrahmen passen. „Mrs. Sabbel“, die Frau, die das Konzept von Punkt und Komma für eine unverbindliche Empfehlung hält, hat wieder zugeschlagen. Die Szenerie: Mein neuer Kumpel L. (ein Lichtblick an schwarzem Humor in diesem Jammertal) beseitigt gerade heldenhaft das Erbrochene eines Mitpatienten. Der Auftritt der Diva: „Ja L., ich habe Dich schon gut erzogen…“. Applaus. Sie reklamiert die Kompetenz, Kotze wegzuputzen, als ihren pädagogischen Verdienst. Gleichzeitig warnt sie ihn vor mir: „Nimm Dir kein Beispiel an Ole, der ist nicht gut für dich.“ Stimmt. Ich bin nicht gut für Leute, die sich gerne bevormunden lassen. Mein Kommentar („Lass sie in der Illusion…“) führte zu Gelächter und ihrer Drohung, mich mit dem Besen zu verhauen. Ganz ehrlich: Seit sie sich hier einen Milchbubi zum persönlichen Sklaven abgerichtet hat, hält sie sich für die unangefochtene Königin der Station. Dabei ist sie nur eines: Eine akustische Umweltverschmutzung mit massiver Selbstüberschätzung.

Wenn der Kopf endlich die Klappe hält

Heute wurde ich wieder „gepiekst“. Und was soll ich sagen? Ich wurde zum Nadelkissen und habe es genossen. Die Entspannung war so tief und unendlich, dass ich direkt weggetreten bin – ein klassischer Powernap zwischen den Nadeln. Das Beste daran war aber nicht der Schlaf an sich, sondern das, was nicht da war: Die bösen Gedanken. Für diesen Moment war Ruhe im Karton. Das Gedankenkarussell stand still. Ich kann Akupunktur bei Depressionen nur wärmstens empfehlen. Es ist, als würde jemand kurz den Reset-Knopf drücken.

Was mich antreibt, was mich ängstigt

Jemand fragte mich neulich nach den Grundpfeilern meines Ichs. Leidenschaften, Träume, Ängste. Wenn man darüber nachdenkt, kommt vieles hoch. Ich bin ein Mensch der Kontraste. Ich liebe die Stille von „Lost Places“ und die Einsamkeit Norwegens, aber ich genieße auch die Intensität von gutem Sex (kein Standard-Programm, bitte), gutem Whiskey und Naturgewalten. Ich bin ein Romantiker, der Nordlichter jagt, und gleichzeitig ein Realist, der weiß: Ohne Ehrlichkeit gibt es kein Vertrauen.

Meine Träume sind bescheiden und doch groß: Eine Reise auf den Hurtigruten, vielleicht ein Leben im Tiny House oder Van. Und die Liebe? Ja, aber zu meinen Bedingungen. Ich suche die Frau, die nicht wegläuft, wenn es kompliziert wird, sondern verstehen will. Aber: Jeder behält seinen Rückzugsort, seine eigene Wohnung. Nähe braucht Raum zum Atmen.

Meine Werte sind fast schon altmodisch: Pünktlichkeit, Wort halten, Treue, Bescheidenheit. Das ist mein Kompass. Mein Ziel für die Zukunft ist simpel: Gesund werden und etwas Sinnstiftendes tun. Ich will lernen, mich selbst wichtig zu nehmen – als Akt der Notwendigkeit, nicht des Narzissmus. Nur vor der Ungewissheit der Zukunft habe ich Respekt. Der Tod schreckt mich nicht mehr, das Leben manchmal schon.

Der Therapie-Stadl und die akustische Folter

Heute ist wieder so ein Tag, an dem die Müdigkeit mein bester Freund ist. Meine Smartwatch behauptet frech, ich hätte die letzten zwei Nächte nur „Nickerchen“ gemacht. Entweder ist das Ding Elektroschrott, oder das nächtliche Gegrunze meines Zimmernachbarn qualifiziert sich mittlerweile als Lärmbelästigung nach der Genfer Konvention. Sport fällt auch aus, der rechte Fuß streikt. Aber hey, ich bin 55. Da darf man schon mal auseinanderfallen. Laut Herrn Merz darf ich in diesem Zustand ja „nur“ noch 15 Jahre malochen. Die Vorfreude ist grenzenlos.

Die Therapiestunde von gestern liegt mir noch wie ein Stein im Magen, aber nach außen hin steht die Fassade 1A. Meine Maske sitzt so perfekt, da würde jeder Hollywood-Star vor Neid erblassen. Willkommen im „Therapie-Stadl der fröhlichen Depressionen“! Zum Thema Herz: Sie soll glücklich sein. Schön. Wünscht man das nicht jedem? (Außer vielleicht den kleinen, fiesen Wunsch, dass man unvergessen bleibt und im Kopf des anderen spukt?).

Gleich gibt’s Akupunktur. Mein einziges Gebet: Lass den Zimmernachbarn bloß wegbleiben. Sein Gekeuche, Gestöhne und seine Unruhe sind schlimmer als Verona Pooth beim Singen. Ich würde jederzeit eine 24-Stunden-Kreissäge vorziehen. Einziger Lichtblick: Anfang nächster Woche kommt eine ehemalige Patientin von E1 zurück. Jemand, der mich versteht. Endlich wieder normale Leute.

Künstliche Intelligenz statt natürlicher Wahnsinn

Weil mein eigener Kopf heute offensichtlich nur Dramen und Tragödien produzieren wollte, habe ich die Regie abgegeben. An eine KI. Ich habe die letzte Stunde damit verbracht, Songs generieren zu lassen. Das Ergebnis: Witzig, skurril und mein Hirn ist plötzlich voll mit neuen Ideen statt mit altem Schmerz. Konsequenz? Ich habe mir das Abo für einen Monat gegönnt. Wenn mein Leben gerade keine Komödie ist, dann soll es wenigstens der Soundtrack sein. Ist das bekloppt? Absolut. Aber nach diesem anstrengenden Tag, der definitiv nicht in die Hall of Fame meiner besten Tage einzieht, ist „bekloppt“ genau das Niveau, das ich brauche.

Versuchen wir es mal mit zwanghaftem Optimismus für morgen. Und ein dickes Danke an Maximus – dein Kommentar war der Lacher, den ich bitter nötig hatte. Und nur wir 2 werden ihn wohl vollständig verstehen.

Die Anatomie eines Totalschadens (oder: Warum Aufstehen überbewertet wird)

Kennt ihr diese Tage, an denen man die Augen aufschlägt und sofort weiß: Das war ein Fehler? Heute war so ein Tag. Ich bin nicht aufgewacht, ich bin aus dem Koma in einen Zustand moderater Verwesung gewechselt. Mein Energielevel lag irgendwo zwischen „leerer Handyakku“ und „toter Goldfisch“.

Dass ich in der Ergotherapie nicht theatralisch zusammengebrochen bin, grenzt an ein medizinisches Wunder. Vermutlich war ich einfach zu müde zum Umfallen.

Die Strategie des Tages: Realitätsflucht Um dieses Elend zu ertragen, habe ich das einzig Vernünftige getan: Schlafen. Eine Stunde vor dem Mittag, eine Stunde danach. Man könnte es Depression nennen, ich nenne es „strategische Bewusstlosigkeit“.

Dann kam der emotionale Schleudergang Nachmittags dann das Highlight: Die persönliche Psychotherapie. Und mein Gott, diese Frau ist eine verdammte Scharfschützin. Sie zielt nicht einfach auf die Probleme, sie legt den Finger direkt in die offene Wunde und drückt nochmal kräftig drauf, um zu sehen, ob ich auch wirklich zucke.

Versteht mich nicht falsch, sie ist brillant. Endlich mal jemand, der den emotionalen Sondermüll nicht nur sortiert, sondern anzündet. Es tut weh wie Hölle, aber hey, besser sie schneidet das Geschwür raus, als dass ich es weiter füttere. Masochismus für die mentale Gesundheit – wir gönnen uns ja sonst nichts.

Das große „Best-of“ der Katastrophen Dank ihrer präzisen Arbeit kam dann auch wirklich alles hoch. Ein wunderbares Potpourri aus den Geistern der Vergangenheit:

  • Traumatische Osterfeuer und Weihnachten (wer braucht schon besinnliche Feiertage?).
  • Die glorreiche berufliche Laufbahn: Drei Jahre lang den Arsch aufgerissen für einen Lohn, der kaum für Nudeln mit Ketchup reicht, nur um dann entsorgt zu werden.
  • Die Begründung? Mein persönlicher Favorit der Heuchelei: „Wir wollen Rücksicht auf Ihre Gesundheit nehmen.“ Klar. Weil ich vor einem Jahr mal einen Ton gesagt habe. Übersetzt heißt das: „Du bist unbequem, tschüssi.“ Danke für gar nichts.

Die Kirsche auf dem Scheißhaufen Und weil das alles noch nicht genug Spaß für einen Tag war, servierte mein Gehirn zum Nachtisch noch den aktuellen Liebeskummer. Lecker.

Fazit: Dieser Tag ist ein einziges verkehrsunfähiges Wrack. Ab in die Schrottpresse damit, Deckel drauf, anzünden. Morgen kann es eigentlich nur besser werden – oder ich bleibe einfach direkt liegen.

Geistersehen für Fortgeschrittene

Rauchen gefährdet die Gesundheit – und den Verstand. Ich stand draußen in der Kälte und habe Gespenster gesehen. Ich sah dich, obwohl du kilometerweit weg bist. Es ist mir absolut schleierhaft, wie ich jemanden vermissen kann, der eigentlich eine Fremde ist. Sieben Tage Austausch. Eine Woche. Das ist nichts. Und doch war es scheinbar alles. Ich kenne deine tiefsten Gedanken, aber vermutlich nicht mal deine Lieblingsfarbe. Offensichtlich reicht das, um mir das Herz zu brechen. Ich bin ein Meister darin, Chancen zu vertun. Irgendeinen Fehler habe ich gemacht, irgendein falsches Wort, ein falscher Moment.

Jetzt sitze ich hier mit der absurden Hoffnung, dass mein Handy irgendwann deinen Namen anzeigt. Logik? Null. Gefühl? 100. Ich wiederhole mich, aber es passt einfach: Verrückt sein heißt ja nicht, dass man unrecht hat. Verrückt, sagt ja schon ein Gedicht…

Was es ist

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Der Weltuntergang (wegen 2 Minuten)

Alarmstufe Rot im Stationsforum. Wir haben gewagt, zu lachen. Wir haben geblödelt. Die Stimmung war gut. Und das Ergebnis dieses frevelhaften Verhaltens? Wir haben zwei Minuten überzogen. Oh Gott. Haltet die Uhren an. Natürlich musste sofort einer meckern. Offenbar hatte er seinen täglichen „Schlechte-Laune-Smoothie“ schon intus und konnte körperliche Schmerzen nicht ertragen, die durch Lachen anderer entstehen. Ganz ehrlich: Ich hätte in der Zeit auch lieber gev…., aber das steht hier nun mal nicht auf dem Therapieplan. Mein frommer Wunsch zum Abend: Wenn er so regelmäßig duschen würde, wie er meckert, wäre der Allgemeinheit mehr geholfen als durch die eingesparten zwei Minuten. Aber man kann nicht alles haben.