Der Tag nach der „Vergangenheit“

Heute ist der Tag danach. Gestern habe ich versucht, meiner Therapeutin meine Vergangenheit in Worte zu fassen. Und selbst nach einer Stunde habe ich das Gefühl, ich habe nur einen groben Umriss gezeichnet, längst nicht alles erzählt. Trotz der Akupunktur heute, hämmern drei Dinge unaufhörlich in meinem Kopf:

  1. Die Tränen, die ich nicht mehr weinen kann. Sie wurden mir früher buchstäblich aus dem Leib geprügelt.
  2. Dieser eine, grausame Satz von damals: „Ich bin froh, dass ihr beiden keinen lebenden Nachwuchs habt.“ Ein Satz, der mich verfolgt, besonders wenn ich meine Tochter treffe.
  3. Und brandaktuell: Mein gebrochenes Herz. Ausgerechnet jetzt, wo ich merkte, dass ich doch noch zu tiefer Liebe fähig bin.

Es ist absurd. Diese Punkte gehören zusammen. Wie gerne hätte ich mit meinem gebrochenen Herz geweint – es ging nicht. Wie gerne hätte ich diese Liebe gar nicht erst verloren. Ich weiß ehrlich nicht, wie es weitergehen soll. Ich werde diesen unendlich tiefen Blick nie vergessen. Aber die Blockade bleibt: Ich kann nur bei körperlichen Schmerzen weinen. Die Seele muss stumm bluten.

Keine Kraft für die „Arbeit an mir“

Die erste Einzelstunde liegt hinter mir. Sie hat keine Antworten gebracht, sondern nur den Schmerz freigelegt. Alles liegt jetzt offen da – von der frühesten Kindheit bis zum Herzschmerz dieser Woche.

Ich frage mich ernsthaft, wie andere das wegstecken. Ich kann es nicht. Ich fühle mich erledigt, hänge in den Seilen („auf halb acht“) und habe die Orientierung verloren. Das Leben könnte so einfach sein, so schön. Die Realität sieht anders aus. Jeder sagt: Du musst an dir arbeiten. Das ist logisch. Aber wie soll man einen Berg abtragen, wenn man nicht mal die Kraft hat, die Schaufel zu heben?

Machtlos im Traum, isoliert im Wachsein

Aufgewacht aus Albträumen. Sie sind wieder da. Genau seit letzter Nacht haben sie mich wieder im Griff. Dabei waren sie für etwas mehr als eine Woche komplett verschwunden. Doch jetzt stellt sich die Welt – zumindest in meinem Kopf – wieder gegen mich. Im Schlaf war meine Familie da. Alle lachten über mich, zwangen mich zu Dingen, die ich nicht wollte, redeten auf mich ein, obwohl ich nur Schweigen wollte. Am schlimmsten: Mein Vater. Er demonstrierte seine Macht, indem er mich einfach nur festhielt. Er nahm mir jede Möglichkeit der Bewegung.

Zweimal bin ich heute Vormittag daraus hochgeschreckt. Es ist unfassbar, wie schnell alles zurückkommen kann. Ich habe den Versuch, mich zu erholen, jetzt abgebrochen. Nichts ist Zufall, alles scheint vorherbestimmt – selbst das Lied, das gestern lief. Ich kann gerade nicht mehr. Alles und jeder geht mir auf die Nerven. Ich bin sogar aus der Raucherecke geflüchtet, weil ich keine Menschen ertrage. Es geht mir schlechter als im Sommer. Aber der Schmerz hat eine Botschaft: Er zeigt, dass ich noch lebe, ich hätte es gern anders erfahren.

Der Beweis, dass ich noch lebe

Ich zwinge mich, in all dem Schmerz etwas Positives zu sehen. Und ich habe es gefunden: Der Schmerz beweist mir, dass ich offensichtlich doch noch fähig bin, so etwas wie Liebe zu empfinden. Für mich war es die Liebe auf den zweiten Blick. Im Sommer sahen wir uns das erste Mal, aber erst der zweite Blick war derjenige, der so unendlich tief ging. Für mich grenzt das an ein Wunder. Ich hatte nicht mehr damit gerechnet, dass mein Herz dazu noch in der Lage ist.

Was bleibt, ist eine offene Frage: Interessant wäre gewesen, wie es sich anfühlt, sie in den Arm zu nehmen. Dazu kam es leider nicht. Und so tue ich das, was ich am besten kann: Ich habe es wieder wunderbar im Griff, alles zu überspielen. Niemand sieht, wie massiv zerrissen ich innerlich bin. Gelernt ist eben gelernt: Die Maske sitzt perfekt.

Aus der Traum – Operation am offenen Herzen

Es ist vorbei. Ich habe alles zurückbekommen. Dieser Moment hat mich fast gebrochen. Ich war kurz davor zu weinen, wirklich kurz davor. Aber ich habe es geschafft, die Tränen runterzuschlucken. Denn: Ein Mann weint ja nicht. Danke, Vater, wenigstens diese Lektion sitzt, auch wenn sie mich innerlich gerade auffrisst.

Sie verlässt die Klinik. Mein einziger Sonnenstrahl, das, was mich jeden Tag aufstehen ließ. Sie war meine Hoffnung, mein Mut, der Grund für ein schneller schlagendes Herz. Jetzt fühlt es sich an, als würde mir jemand bei vollem Bewusstsein und ohne Betäubung das Herz herausreißen. Ein Gefühl, das ich in dieser Intensität noch nicht kannte. Vielleicht ist es für irgendwas gut, innerhalb kürzester Zeit das maximale Hoch und das absolute Tief zu erleben. Wer weiß das schon…

Ich bin am Boden zerstört, ein Scherbenhaufen. Menschen sprechen mich an, aber ich kann nicht antworten. Ich will nicht reden. Meine Tränensäcke brennen, sie wollen arbeiten, aber die Blockade hält. Bezeichnend: Amazon Music spült per Zufall genau das Lied in meine Playlist, das mich gerade perfekt beschreibt. Als hätte der Algorithmus Mitleid – oder Zynismus.

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Wenn Sorgen zum schönsten Ort führen

Es ist schon komisch mit mir. Ich mache mir immer viel zu viel Sorgen, viel mehr als ich eigentlich müsste. Mein Kopfkino läuft oft auf Hochtouren. Aber heute hatte das etwas Gutes: Genau diese Unruhe hat mich an den schönsten Ort befördert. Ich liebe diesen Ruhepol. Dort zu sitzen und durchzuatmen hat mir gezeigt: Ich bin offensichtlich doch nicht so „falsch“, wie ich oft denke. 😊

Ich gehe mit einem guten Gefühl in die Nacht. Und das Wichtigste zum Schluss: Nein, die „Option Baum“ besteht gerade nicht mehr. Gute Nacht.