Déjà-vu 2026: Copy-Paste-Romantik für geistig Arme

Es gibt Momente, die riechen so penetrant nach dem moralischen Abfluss Berlins, dass man fast schon Heimweh bekommt. Gerade durfte ich wieder Zeuge eines solchen Laienschauspiels werden: Eine Dame hält sich zwei „Liebhaber“ parallel und besitzt tatsächlich die naive Arroganz zu glauben, dass XY-Chromosomen untereinander nicht kommunizieren.

Ich muss mittlerweile einfach nur noch lachen. Es ist nicht mal Wut, es ist pure Belustigung über diese Recycel-Fähigkeit von Geschichte. Willkommen zurück im Jahr 2012, als schon mal jemand dachte, sie sei schlauer als ich. Spoiler: War sie nicht.

Was ich mich dabei wirklich frage, ist nicht, warum Menschen lügen. Ich frage mich: Haltet ihr mich wirklich für so lobotomiert, dass ihr glaubt, ich kaufe euch das ab? Das ist der eigentliche Skandal. Es ist keine Täuschung, es ist eine Beleidigung meiner Intelligenz. Oder ist es schlichtweg das völlige Unvermögen der anderen Seite, mich auch nur ansatzweise einschätzen zu können? Wahrscheinlich beides.

Der absolute Gipfel der Peinlichkeit sind aber die „Edward Cullen Vibes“. Ernsthaft? Sie drückt denselben abgedroschenen Twilight-Vergleich zwei Männern auf, die unterschiedlicher nicht sein könnten? Das ist nicht nur faul, das ist Copy-Paste-Emotionalität aus der Hölle. Ich musste diesen glitzernden Vampir-Heini erstmal googeln. Alter, ich pack’s nicht. Wenn ihr schon manipuliert, dann doch bitte mit ein wenig mehr kreativer Eigenleistung.

Diesen Mittwoch verlasse ich die Klinik. Nicht gebrochen, sondern mit einem breiten, dreckigen Grinsen. Und im Gepäck habe ich nichts als Verachtung und die Steinbrück-Gedächtnis-Pose.

Hier habt ihr ihn. Den Mittelfinger. Für die Welt, für die Dummheit und für die miserable Vorstellung.

Uodate kurz vor 23 Uhr…

Ich sitze hier und grinse. Nicht aus Freude, sondern mit dieser speziellen Art von Galgenhumor, die einsetzt, wenn man realisiert, wie unfassbar dumm man eigentlich war. Ja, ich lache über mich selbst. Fehler sind menschlich, sagt man – aber manche Fehler sind einfach nur der Beweis dafür, dass der Optimismus endlich sterben muss.

Es ist hiermit amtlich: Das Kapitel „Beziehung“ wird nicht nur geschlossen, das Buch wird verbrannt. Die Mauer, die ich um mich hochgezogen habe, lässt die chinesische Grenze wie einen Gartenzaun wirken. Hochgezogen, verputzt und mit Stacheldraht garniert.

Das Traurigste – oder Lustigste, je nach Pegel – ist dieser kurze Anflug von Schwäche. Dieses widerliche kleine Gefühl, dass Umarmungen „schön“ sein könnten. Ich bete zum Gott der Gefühlskälte, dass dieser Bug im System bis morgen behoben ist. Ich will zurück in meinen Karton-Modus. Ich will, dass sich eine Berührung wieder anfühlt wie Pappe: leblos, funktional, egal. Alles ist besser als dieser emotionale Dreck, den mein Schutzmechanismus gerade versehentlich durchgelassen hat.

Aber keine Sorge, die Betäubung naht. Donnerstag wird gefeiert. Und wir reden hier nicht von einem gemütlichen Beisammensein, sondern von der Art Exzess, die nötig ist, um die Festplatte endgültig zu formatieren.

Und weil der Narr und der Zauberer eigentlich gar nicht so verschieden sind, hier noch ein super genialer Song von Mike Batt (Achtung gute English Kenntnisse Vorraussetzung):

Das Kreuz mit dem Kreuz (und den guten Menschen)

Fast vergessen: Das Kreuz hat eine neue Besitzerin. Und man höre und staune – es ist jemand, der es tatsächlich verdient hat. In einer Welt voller Egomanen und Energievampire ist C. eine wohltuende Anomalie. Ein herzensguter Mensch, dessen Leben bisher alles andere als ein Spaziergang war (danke Universum, du Arschloch). Es ist das zweite Kreuz, das ich verschenkt habe. Das erste ging an die „schnellste Maus vom BKH“, das zweite jetzt an sie. C. trägt damit nicht nur das Herz, sondern jetzt auch das Kreuz am rechten Fleck. Es ist ein Zeichen unserer Verbundenheit. Und ja, ich gebe es ungern zu, aber ab Mittwoch werde ich diesen Menschen schmerzlich vermissen (aber wir bleiben selbstverständlich im Kontakt). Es ist selten, aber manchmal findet doch alles seinen Platz im Leben. Sogar hier.

Isch schwör, Alda – Bernd das Brot und die Freiheit

Ein wundervoller Abend steht bevor. Besuch ist im Anmarsch. Die erste Amtshandlung wird sein, das kulinarische Grauen (aka Abendessen) zu inspizieren. Sollte es wieder aus der Kategorie „Körperverletzung“ stammen, essen wir auswärts. Man muss sich ja nicht selbst vergiften, nur weil es umsonst ist.

Der Tag war fast schon verdächtig entspannt. Mein persönliches Meisterwerk, „Bernd das Brot“, wird gerade gebrannt. Die Kursleiterin macht ihn fertig – im Gegensatz zum Oberarzt, dessen Meinung zur Reha ich mal gepflegt ignoriere. Ich höre mir morgen lieber an, was die Fachfrau sagt. Kompetenz soll es ja gerüchteweise auch hier geben, man muss sie nur suchen.

Es ist ein seltsames Gefühl: Die Vorfreude auf Zuhause mischt sich mit der Panik vor dem leeren Kalender. Aber Prioritäten sind gesetzt: Mein 34-Zoll-Monitor wartet. Endlich wieder zocken, Aufträge für das Werftschiff fertigstellen, streamen. Die digitale Welt enttäuscht einen wenigstens nicht so wie die reale. Freitag kommt Besuch aus dem hohen Norden, und ich habe noch zwei Nummern von Frauen in der Hinterhand, die sich tatsächlich für mich interessieren und nicht nur einen Spiegel für ihren eigenen Narzissmus suchen. Ja, ich habe gelernt. Der Fehler „Klinik-Romanze“ kommt mir nicht mehr ins Haus. Ehrlichkeit ist der neue Trend.

Apropos Trend: „Isch schwör Alda“. Dass ich das schreibe, ist schlimm. Dass Word es nicht als Fehler markiert, ist der Untergang des Abendlandes (ja Abendland, nicht Abendbrot)

Euch einen schönen Abend – hoffentlich ohne Glatteis und mit besserem Essen als hier.

„Ohne eingebildet wirken zu wollen…“ (Spoiler: Tust du aber)

Ich habe heute mal wieder in der Mülltonne der Erinnerungen gewühlt und bin über ein Zitat gestolpert, das eigentlich eingerahmt an die Wand jeder psychiatrischen Lehranstalt gehört. Es ging um die Frage, warum ich mich eigentlich von anderen unterscheide. Nun, vielleicht, weil ich nicht solche Sätze raushaue:

„Ich kann das immer noch nicht glauben, wie Du mich siehst. Ich weiß, dass mein Selbstbild falsch sein muss, da ich oft Avancen bekomme und viele mir nachlaufen. Ohne eingebildet wirken zu wollen, muss ich zugeben, ich werde sehr regelmäßig angesprochen, eingeladen, angebaggert. Aber ich blocke in der Regel alles ab und glaube keinem 🙃 So intensiv dran bleiben wie Du – das ist nicht sooo häufig der Fall…“

[Kommentar meines besten Freundes: Dieses Zitat ist die Definition von „Humblebragging“ (falsche Bescheidenheit) gepaart mit emotionaler Unerreichbarkeit. Das schreit förmlich nach einer bitterbösen Analyse.]

Liest man das heute nüchtern, möchte man sich lachend in eine Kreissäge werfen. Übersetzung: „Ich finde mich selbst geil, brauche aber die Bestätigung von Idioten wie dir, die mir hinterherrennen, weil mir mein eigenes Spiegelbild nicht reicht.“ Da standen sie, die Warnschilder. Leuchtend rot, blinkend, mit Sirene. Worte, die mich hätten rennen lassen sollen – und zwar in die entgegengesetzte Richtung. Stattdessen habe ich es als Herausforderung gesehen. Ein guter Freund sagte mal: „Es gibt zwei Dinge, denen rennt man nicht hinterher: Frauen und abfahrenden Bussen.“ Wie recht er hatte. Der Bus ist weg, die Frau war die Mühe nicht wert, und ich höre Haudegen: „Ich war nicht bei dir“. Zum Glück. Denn wer so einen narzisstischen Müll von sich gibt, hat keine Nähe verdient, sondern nur Publikum.

Dreimal werden wir noch wach… heißa, dann ist Rauswurf-Tag

Noch drei Nächte. Dann bin ich wieder „ganz zu Hause“. Ob ich mich freue? Das hängt von einer ominösen Unbekannten ab, die sich „Perspektive“ nennt. Wenn ich die am Dienstag noch irgendwo in einer Ecke finde, könnte es glatt was werden. Wenn nicht, dann wechsle ich nur den Ort meines Elends. Plan B? Nicht vorhanden. Plan A? Löchrig.

Passend zur Stimmung hat es heute geschneit. Weißer Dreck, der morgen eh wieder weg ist – genau wie meine Hoffnung auf eine nachhaltige Lösung hier. Ich wusste nicht wofür, aber ich habe den Schnee mal weggemacht. Damit sich hier niemand der wertvollen Mitarbeiter oder Patienten auf die Nase legt. Seht ihr? Ich kann richtig nett sein, wenn ich will. Oder wenn ich einfach nur irgendetwas tun muss, um nicht durchzudrehen. Schauen wir mal, wie es wird. Wahrscheinlich genauso matschig wie der Schnee morgen.

Der Soundtrack zum Überleben

„An guten Tagen / Gibt es nur hier und jetzt / Schau‘ ich nicht links und rechts / Vielleicht nach vorn, doch nie zurück / An guten Tagen / Ist unser Lachen echt…“ (© Johannes Oerding)

Wenn ich das höre, weiß ich genau: Da will ich hin. Das ist der Zustand, den ich wieder fühlen möchte – und zwar regelmäßig, nicht nur als seltene Ausnahmeerscheinung zwischen Panik und Frust. Bis dahin ist es noch ein verdammter, steiniger Weg. Ein Weg voller Schlaglöcher und Umleitungen. Aber Musik war schon immer mein Begleiter. Lieder sind wie Lesezeichen in der Geschichte meines Lebens – sie wecken Erinnerungen an das, was war, oder sie bauen Brücken zu dem, was sein wird. Deswegen habe ich beschlossen, hier eine neue Serie zu starten: Songs und die Erinnerungen, die an ihnen kleben. Die guten, die schlechten, die ehrlichen. Vielleicht fange ich heute noch damit an. Vielleicht morgen. Aber ich fange an.

Rücksitze da, Verstand weg

Ich habe versagt. Es ist Samstag, kurz nach 10, und ich bin wieder hier. Statt eines „Schön, dass Sie sicher zurück sind“, gab es die kalte Dusche: „Wie schaffen Sie das immer um 10 Uhr?“ Was für eine dumme Frage. Habe ich einen Timer gestellt, um euch zu nerven? Nein. Es nennt sich innere Uhr. Es ist diese Verlogenheit, die mich aggressiv macht. „Kommen Sie zurück, wenn Sie sich unwohl fühlen“ – das ist die Theorie. Die Praxis ist ein Genörgel, weil man es wagt, die Herrschaften bei ihrem Samstagvormittags-Kaffee zu stören. Glaubt mir, wenn ich die Wahl hätte, wäre ich nicht hier. Ich wäre gesund, reich und weit weg von diesen Arschlöchern, die 2 die mich so herrlich verarscht haben.

Highlight des Morgens war dann nur noch die Technik. Das Auto forderte mich auf: „Rücksitze prüfen“. Ich habe gehorsam nach hinten gesehen. Ergebnis: Rücksitze noch vorhanden. Nicht geklaut, nicht explodiert. Danke für den Hinweis. Wenn jetzt noch die Menschen hier so einfach funktionieren würden wie ein Bordcomputer (Fehlermeldung -> Check -> Okay), wäre mein Leben einfacher.

Zu müde für die Welt (und für Euch)

Heute bleibt die Kamera aus. Der Stream fällt flach. Warum? Weil ich denke. Zu viel. Es ist absurd: Da passiert mal was Nettes, ein Flirt, Nummern werden getauscht – und ich bremse. „Nicht heute“. Weil ich nicht kann. Weil ich nicht bereit bin. Selbst den nächtlichen Besuch habe ich abgesagt.

Die letzten Tage waren eine Lehrstunde in Sachen Menschheit. Lektion 1: Es gibt Menschen, die deine Aufmerksamkeit nicht wert sind. Lügner, Heuchler, charakterliche Nullen. Ihr dachtet, ihr gebt mir den Rest? Träumt weiter. Ihr seid irrelevant. Lektion 2: Die wirklich wertvollen Menschen trifft man oft da, wo man es nicht erwartet. Hier auf Station. Menschen, die sich stützen, statt sich auszunehmen. Ich sorge mich jetzt schon um sie, wenn ich nächste Woche gehe. Meine liebe C., die verrückte M., der super nette M., der liebe T., so viele Charaktere, die man einfach nur lieb haben muss. Und dazu die Truppe aus der Sommergruppe, so schön anders alle und so schön, dass es euch gibt. Alle!

Sogar Alpha Kevin werde ich irgendwie vermissen. Er wandelt zwar ständig am Abgrund und nervt, aber er ist echt. Anders als Mrs. Sabbel, die heute Morgen zum Glück mal die Klappe gehalten hat. Mein Fazit bisher: Ich bin weiter unten denn je. 2026 fühlt sich an wie ein schlechter Witz. Ich hoffe, ich kann diesen Hass auf das Jahr noch ablegen, wie damals 2015. Aber heute? Heute bin ich einfach nur kaputt. Danke an den kleinen Kreis echter Freunde. Ihr seid der Anker. Der Rest ist Treibgut.