Berlin, der Balkon und das Versprechen

Draußen ist es grau, drinnen leider auch oft genug. Trübes Wetter, trübe Gedanken – eine Kombination, die auch durch viel Arbeit und die Unterstützung eines guten Freundes heute nicht ganz vertrieben werden konnte. Ich bin dabei, mein Leben umzukrempeln. Die Weichen für die Zukunft zu stellen, die Reha zu klären. Ich mache mir nichts vor: Es ist der letzte Versuch, den ich unternehme, um meine psychische Gesundheit noch einmal auf die Reihe zu bekommen. Der „Last Stand“.

Inmitten dieses Chaos hallt ein Satz nach, den mir eine Freundin vorgestern schrieb: „Ole, wir schaffen das irgendwie, aufgeben ist nie eine Option, okay!?“

„Wir“. Ein kleines Wort mit gewaltiger Bedeutung. Denn sie war es, die damals in Berlin dafür gesorgt hat, dass ich nicht den Weg über das Balkongeländer wählte, sondern den in die Klinik. Ein Versprechen, das ich ihr gab, als ich mit dem Pneumothorax flachlag – und das ich seitdem jedem Therapeuten erzählt habe. Es tut gut, an unsere Zeit in Berlin zu denken. An ihre Unterstützung. Gleichzeitig schmerzt die Erinnerung daran, wie hilflos ich mich fühlte, als sie später Hilfe brauchte und ich unfähig war, sie ihr zu geben. Das tut mir bis heute unendlich leid. Aber das „Wir“ steht noch. Und ich hoffe inständig, dass für uns beide wieder bessere Zeiten kommen. Aufgeben ist keine Option. Versprochen ist versprochen.

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