Ode an die Mittelmäßigkeit: Von Gummi-Brötchen und depressiven Teigwaren

Welch ein Tag. Manchmal fragt man sich ja, ob das Universum einen Plan hat, oder ob es einfach nur würfelt – und heute fielen die Würfel eindeutig auf „Mäh“.

Der Morgen begann mit einem kulinarischen Anschlag auf meine Kauwerkzeuge. Das Frühstück präsentierte sich in Form von Brötchen, die in einem früheren Leben sicher gerne Flummis geworden wären. Dazu die übliche Auswahl an „Belägen“, die vermutlich schon seit der Erfindung des Brotes dort liegen. Ein Fest für die Sinne. Nicht.

Die intellektuelle Elite schläft nie Da der Vormittag zur freien Verfügung stand (aka: Langeweile pur), beschloss ich, das Elend einfach wegzuschlafen. Vorhänge zu, horizontale Position eingenommen. Auftritt: Mein Bettnachbar, der Sherlock Holmes der Station. Er sieht mich liegen. Er sieht die zugezogenen Gardinen. Er fragt: „Du willst jetzt schlafen?“ Ich war kurz davor, ihm die Relativitätstheorie zu erklären, entschied mich aber für die einzig logische Antwort: „Nein, ich spiele gerne Tischtennis im Liegen.“ Hat er es verstanden? Unklar. Aber ich bekam meinen Mittagsschlaf.

Kunst am Bau (oder am Brot) Nachmittags stand „Keramik“ auf dem Plan. Meine Motivation bewegte sich im Minusbereich, irgendwo zwischen Wurzelbehandlung und Steuererklärung. Aber man ist ja diszipliniert. Und siehe da: Ich habe mein Meisterwerk vollendet. Bernd das Brot. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ich ausgerechnet das depressivste Kastenbrot der TV-Geschichte töpferte und mich danach vor Stolz kaum einkriegte. Dass vier nette Damen in meinem Kurs waren, tat dem Ego natürlich auch keinen Abbruch. Man nimmt, was man kriegen kann.

Slapstick und Krimi-Frust Nach einem Stations-Forum im Schnelldurchlauf (Effizienz ist alles, wenn man eigentlich keine Lust hat) gab es dann doch noch Kultur: Live-Comedy in der Raucherzone. Ein Typ übersieht die Dame hinter sich, sie sagt einen Ton, er vollführt einen Sprung, der physikalisch eigentlich unmöglich sein sollte. Schadenfreude ist eben doch die ehrlichste Freude.

Zum Runterkommen noch den „Tatort“ beendet. Fazit: Eine solide 3 bis 4. Genau wie der Rest des Tages. Nicht schlecht genug für eine Tragödie, nicht gut genug für eine Komödie. Einfach nur… da.

Gesamtwertung des Tages: 3-4. Schauen wir mal, ob morgen wenigstens die Brötchen tot sind, bevor man sie uns serviert.

Licht? Dunkelheit?

Stellen Sie sich ein Boot vor, darin sitzen 2 die sich lieben. Vielmehr sie wollen sich lieben, sie sehnen sich nach Harmonie, sie sind durch heftige Stürme gegangen und jetzt endlich liegt das Boot ruhig im Wasser. Sie spüren das Glück, es ist da, doch schon beginnt einer zu Kippeln, die Wellen kräuseln sich. das Boot beginnt zu schwanken. Warum tut er das fragen Sie, warum hält er das Glück nicht aus?

Wer sich schon immer einsam gefühlt hat, wird nicht eher Ruhe geben, bis er endlich verlassen wird.

Wer stets angeschrien wurde, wird seinen Partner so lange provozieren, bis dieser mit Tellern wirft.

Wir sind süchtig nach Unglück, weil es uns so vertraut ist.

Unsere tiefste Angst ist die vor dem Licht, nicht vor der Dunkelheit.

(Verfasser unbekannt)

Der Alpha-Kevin und die Seifenallergie

Es ist immer wieder erbaulich, wenn die Jugend den Aufstand probt. Der „kleine Stinkebär“, dessen Verhältnis zu Wasser und Seife bestenfalls als „kompliziert“ zu bezeichnen ist, kam heute die Treppe runter gewalzt. Im Schlepptau seine Freundin, vor der er offensichtlich mal den dicken Max markieren musste. Sein intellektueller Beitrag zu meiner Unterhaltung: „Man sieht ihn nicht, aber einer labert…“. Süß. Da wollte der 23-jährige Seifenteddy mal das Alpha-Männchen spielen.

Meine Antwort, dass mir das außer ihm noch keiner gesagt hat, parierte er mit der Logik eines Einzellers: Die anderen nehmen ja nur Rücksicht auf mich. Ah ja. Die Fakten: Ich war mittags weg, habe danach gepennt, dann gezockt und beim Abendessen kaum den Mund aufbekommen. Gestern Abend war ich gar nicht da, vorgestern habe ich mit Laptop mit Kopfhörer im Aufenthaltsraum gesessen. Aber klar, in seiner Welt bin ich der Lautsprecher der Nation. Ich habe ihm angeboten, das gerne mal auf der C (geschlossene Abteilung) zu klären, falls er ein hormonelles Problem hat. Daraufhin zog er mit eingezogenem Schwanz ab. Vielleicht drückt das Testosteron auch einfach zu sehr auf die Haarwurzeln – anders kann ich mir den verfrühten Haarausfall bei dem Knaben nicht erklären. Aber Hauptsache große Fresse, wenn das Weibchen dabei ist. Mutig, mutig, kleiner Stinker.

Bitte nachtreten – und Eiersalat

Mein Tag zusammengefasst: Körperlich im Arsch, psychisch im Panikmodus. Die brillanten Tipps der Pflege („Machen Sie mal was anderes“) helfen null. Als ob ich mir die Panikattacken beim Frühstücksbuffet aussuche. Immerhin: Ein kleiner nächtlicher Testlauf – anonym und unkompliziert – hat bewiesen, dass gewisse Dinge noch funktionieren, von denen ich dachte, sie wären tot. Ein kleiner Sieg der Biologie über die Depression. Es lag also nicht am körperlichen Unvermögen, sondern an der allgemeinen Erschöpfung.

Was nicht funktioniert: Das Zusammenleben mit Neandertalern. Mein Zimmernachbar beherrscht die hohe Kunst des „Im-Sitzen-Pinkelns“ und „Klodeckel-Schließens“ nicht. Gleich gibt es Abendbrot. Ich hoffe auf Eier. Wenn nicht auf dem Teller, dann vielleicht als Resultat meiner Wut auf den Stehpinkler nebenan. Manchmal ist die Grenze zwischen „Eiersalat essen“ und „Eiersalat verursachen“ sehr schmal.

Probier’s mal mit Gemütlichkeit (oder Amok)

Freitagabend: Okay. Samstagmorgen: Willkommen in der Apokalypse. Nein, es lag nicht am nächtlichen Überraschungsbesuch oder dem „Rahmenprogramm“. Es lag einfach am Morgen selbst. Meine Ärztin nennt es „antriebslos“. Ich nenne es: „Körperlicher Totalschaden“. Ich komme kaum die Treppe hoch, fühle mich wie von einem 40-Tonner überrollt und habe heute mehr geschlafen als eine Katze im Koma (bis mittags, dann nochmal zwei Stunden Bonus). Ergebnis: Immer noch im Eimer. Leistungsfähigkeit? Unter 50%. Der Stream gestern war nach 1,5 Stunden vorbei, weil der Akku leer war. Ein alkoholfreies Bier, dann gingen die Lichter aus.

Und dann komm ich um 10 Uhr hier an, schleppe meinen Kadaver auf die Station, und die Pflegerin feuert die pädagogische Wunderwaffe ab: „Probieren Sie doch mal was anderes aus.“ Ach, was für eine brillante Idee! Darauf wäre ich ja nie gekommen. Was genau schlägt die Fachkraft vor? Einfach liegenbleiben und verfaulen? Suizid als kreative Alternative? Ein kleiner Amoklauf zur Auflockerung? Oder soll ich ins Hotel ziehen? Wenn ich wüsste, was ich ändern soll, würde ich hier nicht wie ein Zombie durch die Gänge schlurfen. Danke für das Gespräch.

Alternatives Ende:
Das Highlight war aber die Begrüßung durch das Pflegepersonal. Auf meinen Zustand hin kam der weltbewegende Tipp: „Probieren Sie doch mal was anderes aus.“ Sensationell. Ich werde es mir zu Herzen nehmen. Statt „Depression“ probiere ich morgen mal „Lotto-Millionär“ aus. Oder „Herzinfarkt“, das soll ja auch abwechslungsreich sein. Manchmal frage ich mich, ob die Ratschläge im Glückskeks stehen oder ob das ernst gemeint ist.

Der Darwin-Award der Woche – Suizidversuch durch Dummheit

Ich war heute jenseits von Gut und Böse. Müdigkeit Level: Koma. Ich habe vor der Anwendung geschlafen, ich habe mich danach wieder hingelegt. Und dann kommt der Moment, wo man sich fragt, wie manche Menschen überhaupt das Erwachsenenalter erreichen konnten, ohne vorher aus Versehen Atmen zu vergessen. Mein Zimmernachbar weckt das schlafende Monster (mich) und fragt allen Ernstes: „Stört es Dich, wenn ich beim Duschen laut Musik höre?“.

In meinem Kopf lief kurz der Windows-Ladebalken. Als Antwort fiel mir spontan nur ein, dass ich meine 9mm suchen würde – wenn ich sie denn dabei hätte. Aber ein genialer Mitpatient brachte es auf den Punkt: „Soll ich den Pflegern Bescheid sagen, dass er aktive Suizidgedanken hat? Anders kann man dieses Verhalten einem schlafenden Ole gegenüber nicht deuten…“ Treffer, versenkt. Es gibt Momente, da weiß man ganz genau, warum wir alle hier sind. Manche wegen Depressionen, andere offenbar wegen akutem Lebensmüde durch fehlenden Selbsterhaltungstrieb.