In 55 Jahren Leben habe ich viel gesehen und erlebt. Aber an so etwas kann ich mich nicht erinnern. Klar, es gibt Bilder, die im Kopf bleiben, aber in dieser Intensität? Nie. Auslöser war ein Lächeln heute Morgen. Ein so wunderschönes Lächeln, dass es mich den ganzen Tag verfolgt hat. Es war verrückt: Ich musste heute zweimal nach Hause fahren (Schlüssel vergessen, Klassiker). Jedes Mal, wenn ich im Auto nach rechts sah, war mein Kopfkino so stark, dass ich dachte, sie sitzt dort.
Es ist ein Gefühl, das meine Vorstellungskraft übersteigt. Wenn ich den Alltag ausblende, könnte ich durchs Zimmer tanzen. In meinem Kopf läuft Eric Clapton, ich denke an meine Tanzschulzeit und würde sie am liebsten auffordern. Wäre da nicht die Stimme der Vernunft. Sie flüstert: „Schau zurück! Denk an den Schmerz, den Gefühle dir gebracht haben. Denk an die Kraft, die du durch so einen Mist verloren hast.“
Aber dann meldet sich das Teufelchen: „Was du nicht probierst, kannst du nicht erleben. Lass dich nach so langer Zeit mal wieder auf etwas ein. Vielleicht wird es teuflisch gut? Oder engelsgleich?“ Da haut der Engel dem Teufelchen mit der Harfe eins über und sagt misstrauisch: „Ich würde mich nicht wundern, wenn diese Person von dir geschickt wurde…“ Doch das Teufelchen grinst nur und kontert: „Ich bin nicht an allem schuld. Du aber sehr wohl an verpassten Chancen und nicht erlebten Momenten. Also Ruhe!“
Plop. Beide weg. Ich bin allein im Zimmer. Ich habe die Wahl. Und ich weiß ganz genau, wofür ich mich entscheide.