Danke Bohrmaschinen Vertreter

Mein tiefster, demütigster Dank gebührt heute wieder einmal dem Außendienst eines weltweit bekannten, meist in Rot gehaltenen Bohrmaschinenherstellers.

Das Setting: Zweispurige Landstraße, royale 120 km/h sind freigegeben. Die Realität? Vor mir ein majestätischer Schützenpanzer für die Innenstadt, vulgo: ein völlig überdimensionierter SUV. Der Pilot dieses Ungetüms hatte es sich offenbar zur Lebensaufgabe gemacht, eine Kolonne von fünf Lkw mit atemberaubenden, pulstreibenden 107 km/h zu überholen. Die Lkws waren längst Geschichte, aber der SUV klebte auf der linken Spur wie Kaugummi unterm Schuh. Mein naives, rücksichtsvolles Linksblinken? Ignoriert. Meine dezente, fast schon apologetische Lichthupe? Perlen vor die Säue der verkehrstechnischen Ignoranz.

Doch dann erschien die Erlösung im Rückspiegel: Ein roter VW Passat Kombi. Der Archetyp des deutschen Firmenwagens. Ich erkannte sofort eine exzellente Management-Gelegenheit und tat das, was jeder gute Stratege tut – ich delegierte die Drecksarbeit. Kurzer Schlenker nach rechts, den Passat von der Leine lassen und mich genüsslich als VIP-Zuschauer in seinen Windschatten hängen.

Der weiße Firmen-Schriftzug auf dem Lack hielt, was er versprach. Der Vertriebler im Passat, vermutlich angetrieben von Termindruck, Espresso und Provisionsgier, zündete ein Stroboskop-Gewitter aus der Hölle, gegen das jede 90er-Jahre-Technoparty wie ein Teelicht wirkt. Nach quälenden drei Minuten – wir hatten das rollende Hindernis mittlerweile auf die rasante Reisegeschwindigkeit von 95 km/h heruntergebremst – dämmerte es dem SUV-Kapitän tatsächlich, dass die linke Spur kein ausgewiesener Dauerparkplatz ist.

Als wir endlich an diesem textgewordenen Blutdruck-Steigerer vorbeiziehen durften, bestätigte sich mein schlimmster Verdacht: Ein lebendes Fossil klammerte sich ans Lenkrad, vermutlich gerade auf dem Weg zur wöchentlichen Mumifizierung.

Daher: Ein dreifaches Hoch auf besagte Firma! Danke, dass ihr nicht nur Werkzeuge baut, die durch jede Wand gehen, sondern auch Vertriebler einstellt, die im Straßenverkehr genau diese Mentalität an den Tag legen. Ohne eure Asphalt-Gladiatoren wären wir auf deutschen Landstraßen längst alle an Altersschwäche gestorben.

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