Es gibt Momente, die riechen so penetrant nach dem moralischen Abfluss Berlins, dass man fast schon Heimweh bekommt. Gerade durfte ich wieder Zeuge eines solchen Laienschauspiels werden: Eine Dame hält sich zwei „Liebhaber“ parallel und besitzt tatsächlich die naive Arroganz zu glauben, dass XY-Chromosomen untereinander nicht kommunizieren.
Ich muss mittlerweile einfach nur noch lachen. Es ist nicht mal Wut, es ist pure Belustigung über diese Recycel-Fähigkeit von Geschichte. Willkommen zurück im Jahr 2012, als schon mal jemand dachte, sie sei schlauer als ich. Spoiler: War sie nicht.
Was ich mich dabei wirklich frage, ist nicht, warum Menschen lügen. Ich frage mich: Haltet ihr mich wirklich für so lobotomiert, dass ihr glaubt, ich kaufe euch das ab? Das ist der eigentliche Skandal. Es ist keine Täuschung, es ist eine Beleidigung meiner Intelligenz. Oder ist es schlichtweg das völlige Unvermögen der anderen Seite, mich auch nur ansatzweise einschätzen zu können? Wahrscheinlich beides.
Der absolute Gipfel der Peinlichkeit sind aber die „Edward Cullen Vibes“. Ernsthaft? Sie drückt denselben abgedroschenen Twilight-Vergleich zwei Männern auf, die unterschiedlicher nicht sein könnten? Das ist nicht nur faul, das ist Copy-Paste-Emotionalität aus der Hölle. Ich musste diesen glitzernden Vampir-Heini erstmal googeln. Alter, ich pack’s nicht. Wenn ihr schon manipuliert, dann doch bitte mit ein wenig mehr kreativer Eigenleistung.
Diesen Mittwoch verlasse ich die Klinik. Nicht gebrochen, sondern mit einem breiten, dreckigen Grinsen. Und im Gepäck habe ich nichts als Verachtung und die Steinbrück-Gedächtnis-Pose.
Hier habt ihr ihn. Den Mittelfinger. Für die Welt, für die Dummheit und für die miserable Vorstellung.
Uodate kurz vor 23 Uhr…
Ich sitze hier und grinse. Nicht aus Freude, sondern mit dieser speziellen Art von Galgenhumor, die einsetzt, wenn man realisiert, wie unfassbar dumm man eigentlich war. Ja, ich lache über mich selbst. Fehler sind menschlich, sagt man – aber manche Fehler sind einfach nur der Beweis dafür, dass der Optimismus endlich sterben muss.
Es ist hiermit amtlich: Das Kapitel „Beziehung“ wird nicht nur geschlossen, das Buch wird verbrannt. Die Mauer, die ich um mich hochgezogen habe, lässt die chinesische Grenze wie einen Gartenzaun wirken. Hochgezogen, verputzt und mit Stacheldraht garniert.
Das Traurigste – oder Lustigste, je nach Pegel – ist dieser kurze Anflug von Schwäche. Dieses widerliche kleine Gefühl, dass Umarmungen „schön“ sein könnten. Ich bete zum Gott der Gefühlskälte, dass dieser Bug im System bis morgen behoben ist. Ich will zurück in meinen Karton-Modus. Ich will, dass sich eine Berührung wieder anfühlt wie Pappe: leblos, funktional, egal. Alles ist besser als dieser emotionale Dreck, den mein Schutzmechanismus gerade versehentlich durchgelassen hat.
Aber keine Sorge, die Betäubung naht. Donnerstag wird gefeiert. Und wir reden hier nicht von einem gemütlichen Beisammensein, sondern von der Art Exzess, die nötig ist, um die Festplatte endgültig zu formatieren.
Und weil der Narr und der Zauberer eigentlich gar nicht so verschieden sind, hier noch ein super genialer Song von Mike Batt (Achtung gute English Kenntnisse Vorraussetzung):