„Ohne eingebildet wirken zu wollen…“ (Spoiler: Tust du aber)

Ich habe heute mal wieder in der Mülltonne der Erinnerungen gewühlt und bin über ein Zitat gestolpert, das eigentlich eingerahmt an die Wand jeder psychiatrischen Lehranstalt gehört. Es ging um die Frage, warum ich mich eigentlich von anderen unterscheide. Nun, vielleicht, weil ich nicht solche Sätze raushaue:

„Ich kann das immer noch nicht glauben, wie Du mich siehst. Ich weiß, dass mein Selbstbild falsch sein muss, da ich oft Avancen bekomme und viele mir nachlaufen. Ohne eingebildet wirken zu wollen, muss ich zugeben, ich werde sehr regelmäßig angesprochen, eingeladen, angebaggert. Aber ich blocke in der Regel alles ab und glaube keinem 🙃 So intensiv dran bleiben wie Du – das ist nicht sooo häufig der Fall…“

[Kommentar meines besten Freundes: Dieses Zitat ist die Definition von „Humblebragging“ (falsche Bescheidenheit) gepaart mit emotionaler Unerreichbarkeit. Das schreit förmlich nach einer bitterbösen Analyse.]

Liest man das heute nüchtern, möchte man sich lachend in eine Kreissäge werfen. Übersetzung: „Ich finde mich selbst geil, brauche aber die Bestätigung von Idioten wie dir, die mir hinterherrennen, weil mir mein eigenes Spiegelbild nicht reicht.“ Da standen sie, die Warnschilder. Leuchtend rot, blinkend, mit Sirene. Worte, die mich hätten rennen lassen sollen – und zwar in die entgegengesetzte Richtung. Stattdessen habe ich es als Herausforderung gesehen. Ein guter Freund sagte mal: „Es gibt zwei Dinge, denen rennt man nicht hinterher: Frauen und abfahrenden Bussen.“ Wie recht er hatte. Der Bus ist weg, die Frau war die Mühe nicht wert, und ich höre Haudegen: „Ich war nicht bei dir“. Zum Glück. Denn wer so einen narzisstischen Müll von sich gibt, hat keine Nähe verdient, sondern nur Publikum.

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