Erzeuger-Kino und Sehnsucht nach Stille

Ich war so naiv zu glauben, ich könnte mich heute früh noch einmal hinlegen, um Kraft zu tanken. Ein Anfängerfehler. Mein Unterbewusstsein hat die Gelegenheit sofort genutzt, um das „Best of“-Programm abzuspielen: Vier Versuche, vier Niederlagen. Das Line-up war exquisit: Versagen, Zwang und als Headliner natürlich mein „Erzeuger“. Es ist rührend, wie sehr sich mein Gehirn bemüht, mir die schlechtesten Momente meines Lebens in 4K-Auflösung zu präsentieren.

Mir kommt es hoch – und das nicht nur metaphorisch. Seelischer Brechreiz ist was Feines. Die Ironie des Schicksals: Die Nacht war gut. Warum? Weil ich alleine war. Keine Schnarchkonzerte, keine fremde Aura. Heute Nacht kehrt der Zimmernachbar zurück, also tschüss Schlaf. Die Statistik lügt nicht: Ist jemand da (Zimmernachbar oder früher zu Hause), bin ich wach. Bin ich allein, schlafe ich. Menschen scheinen mein natürlicher Feind zu sein.

Inmitten dieses Elends keimt der völlig absurde, fast schon kitschige Gedanke auf: Wie wäre es wohl, wenn mich mal jemand einfach nur in den Arm nimmt? Aber genug geträumt. Ich bin bedient.

Kasperle-Theater und Gedankenkarussell

In meinem Kopf ist gerade Kirmes. Die Gedanken fahren Karussell, und zwischendrin führt ein Kasperle-Theater ein Stück auf, das ich absolut nicht sehen will. Es ist eine wirre Mischung aus den (guten) Worten meiner Mitpatientin und dem (schlechten) Film, den ich heute Morgen bei meiner Flucht geschoben habe. Ich habe in meiner Panik alles liegen lassen: Tasche weg, Trinkflasche weg, Medikamente weg. Einfach nur raus. Rückblickend unbegreiflich, verrückt, einfach irre.

Es fühlt sich an wie ein Reset. Als wäre ich stehengeblieben oder direkt zurück in den Sommer katapultiert worden, an den Tag meiner Einlieferung. Dazu die bizarre Begegnung mit dem Nachbarn – ich weiß bis jetzt nicht, wer von uns beiden mehr Angst vor dem anderen hatte. Es ist kurz nach 22 Uhr. Ich muss diesen Lärm im Kopf leiser drehen. Also werde ich noch ein paar Runden zocken, irgendwas tun, Hauptsache Ablenkung. Die Pflicht (Blog-Beiträge sortieren, Schlagwörter vergeben) verschiebe ich auf morgen oder übermorgen. Heute geht nur noch Überleben.

Etwas zum Nachdenken, von Dr. Peter Glocker

Ich kennee Dr. Peter Glocker aus meiner Zeit in Bad Steben und danach. Für mich der beste Psychotherapeut, den ich je erlebt habe. Hier ein Text, den er gestern veröffentlich hat auf Linkedin (Profil Link unter dem Text)

Wir leben in einer Zeit, in der Unsicherheit nicht mehr die Ausnahme ist, sondern der Normalzustand.
Krisen, Konflikte, wirtschaftliche Sorgen und gesellschaftliche Spannungen prasseln permanent auf uns ein – über Nachrichten, soziale Medien und Gespräche im Alltag.

Das Problem dabei:
Unser Gehirn ist für akute Gefahren gebaut – nicht für einen dauerhaften Zustand latenter Bedrohung.
Viele Menschen versuchen trotzdem, genau dort anzusetzen:
– mehr Informationen,
– mehr Kontrolle,
– mehr Reaktion auf das Außen.
Doch je größer die Weltprobleme werden, desto kleiner wird unser tatsächlicher Handlungsspielraum.
Und genau hier setzt ein entscheidender Perspektivwechsel an – einer, der auch aus der Positiven Psychologie bekannt ist.

-> Vom Kontrollverlust zur inneren Gestaltung
Die Positive Psychologie beschäftigt sich nicht mit dem Verdrängen von Problemen, sondern mit einer zentralen Frage:
Was hält Menschen auch unter schwierigen Bedingungen psychisch stabil und handlungsfähig?
Eine ihrer Kernbotschaften lautet:
Nicht alles im Außen ist beeinflussbar – aber wie wir innerlich damit umgehen, sehr wohl.
Statt ausschließlich Defizite zu reparieren, richtet sie den Blick auf:
– persönliche Stärken
– sinnstiftende Ziele
– innere Werte
und die Fähigkeit, trotz Belastung psychisch flexibel zu bleiben
Das bedeutet nicht, Krisen schönzureden, sondern sie innerlich einzuordnen, ohne sich von ihnen vollständig bestimmen zu lassen.

-> Dein inneres Haus als Schlüssel zur Stabilität!
Wenn äußere Systeme wackeln, wird innere Ordnung zur entscheidenden Ressource.
Im eigenen „inneren Haus“ aufzuräumen heißt:
– Stressreaktionen verstehen statt gegen sie anzukämpfen
– mentale Automatismen erkennen („Ich muss funktionieren“, „Es darf mir
nicht schlecht gehen“)
– bewusster mit Energie, Aufmerksamkeit und Grenzen umgehen.

Positive Psychologie zeigt hier klar:
Psychische Stabilität entsteht nicht durch permanente Stärke, sondern durch Selbstwirksamkeit, Sinn und Akzeptanz.
Oder anders gesagt:
Nicht Kontrolle macht stabil – sondern Orientierung.

-> Wachstum beginnt innen – nicht im Außen
Je komplexer die Welt wird, desto wichtiger wird die Fähigkeit, sich innerlich zu regulieren Prioritäten zu setzen und den eigenen Einflussbereich realistisch einzuschätzen.
Wachstum bedeutet dabei nicht „immer besser funktionieren“, sondern bewusster leben, klarer entscheiden und die eigenen Ressourcen gezielt einsetzen.
Nicht die Welt muss zuerst wieder heil werden, sondern dein inneres Gleichgewicht!
Und genau dort beginnt nachhaltige psychische Gesundheit.

Leute, kümmert Euch um Euer Inneres! Das ist etwas, was Ihr WIRKLICH kontrollieren könnt!

Linkedin Profil: https://shorturl.at/tyPPS

Vom Himmel auf die Erde (und in ein Uber)

Das Übernachtungstraining. Der gestrige Abend war noch ein Traum: Super Stream, super Ablenkung, danach schnell und gut geschlafen. Doch das Erwachen war der Absturz. Wie aus dem Nichts kam ein Sturm auf – Panikattacken, Zukunftsängste, das volle Programm. Ich fühlte mich sterbenselend und wollte nur noch weg. Also: Waschen, anziehen, Uber rufen. Flucht. Auf dem Weg traf ich noch einen Nachbarn – keine Ahnung, wer mehr Angst vor dem anderen hatte. Aber im Uber, bei einem wildfremden Fahrer, war die Angst plötzlich weg. Völlig paradox: Bekanntes macht Panik, Fremdes ist okay. Verstehe einer den Kopf.

Dann kam die Rettung in Form einer Nachricht. Ich schrieb einer lieben Mitpatientin von meinem Leid und dem Liebeskummer. Und sie hat mich mal so richtig eingenordet. Das dürfen bei mir nicht viele, aber sie darf das. Wir hatten keinen leichten Start, aber mittlerweile haben wir zusammen gelacht, geweint und uns verstanden. Ihre Worte saßen: Kein Ex-Partner ist es wert, dass wir trauern. Wenn sie unseren Wert nicht sehen – Pech gehabt. Ihr Verlust, nicht unserer.

Wir haben einen Pakt geschlossen. Sie schlug vor: „Wie wäre es, wenn wir 2026 für uns nutzen? Transformieren. Einfach nur mal auf uns achten. Wir haben uns immer um andere gekümmert. Kümmern wir uns um unsere innere und äußere Zufriedenheit. Machst du mit?“

Klar mache ich mit. Das ist kein Narzissmus, das ist überfällige, gesunde Selbstliebe. Ich habe direkt angefangen: Eine Runde ums Krankenhaus laufen. Danke dir für den Kopfwaschgang!

Namen werden hier nur auf ausdrücklichen Wunsch der Personen genannt.

Ein riesiges Danke an Xairen!

Manchmal kommt Hilfe von unerwarteter Seite. Heute Abend war es Xairen, die mir mit einem Raid von 200 Leuten den Stream versüßt hat. Dass gut 100 davon bis zum Ende geblieben sind, macht mich stolz und dankbar. Für mich war das heute mehr als nur Zocken. Es war eine Flucht aus dem Gedankenkarussell, eine Pause vom Liebeskummer.

Ich gehe auch live offen damit um, wie es mir geht. Verstecken bringt nichts. Danke an Andrea für den Support und an die Community für’s Dableiben. Ihr habt meinen Abend gerettet.

In deinen Augen lesen

Bevor ich gleich die Kamera für den Stream anschalte und den Entertainer spiele, muss das raus: Ich denke an unser letztes Sehen. Musik auf den Ohren – Frida Gold. Damals nur ein Lied, heute die bittere Hymne des Moments. Zusammen mit Johannes Oerding bildet es den Soundtrack meines Herzbruchs.

Ich vermisse diesen einen, tiefen Blick. Du warst der Mensch, bei dem ich keine Worte brauchte. Ich konnte in deinen Augen lesen, ich konnte dich verstehen. Das ist selten. Das ist kostbar. Ich bin immer noch bis über beide Ohren verknallt. Es zerreißt mich fast, aber ich kann nicht weinen. Du hast deinen Platz in meinem Herzen sicher. Für immer. Jetzt: Maske auf. Stream an.

Übernachtungstraining #1: Von körperlicher Selbstzerstörung und digitalen Katastrophen

So, es ist vollbracht. Heute Morgen habe ich beim Basketball mal eben 40 Minuten lang Körbe geworfen und mich dabei so verausgabt, dass mein Fuß endlich wieder weh tut. War ja auch kaum auszuhalten, dass der Schmerz dank der Akupunktur komplett weg war – wo bleibt da die Herausforderung? Aber man muss ja an seine Grenzen gehen. Immerhin: Die Skills sind noch da, nicht alles verlernt. Ganz nebenbei habe ich mich dann noch als Ersatztherapeut für zwei Mitpatienten betätigt. Ein bisschen Lob hier, ein bisschen Motivation da – zack, Gruppentherapie erfolgreich, hat uns allen vieren Spaß gemacht.

Den Soundtrack zum Elend (und zum Spaß) lieferten DJ OriginaleOle und Ahmet Kilic. Nachdem ich dann noch kurz klären musste, dass ich von Freitag auf Samstag tatsächlich legal zu Hause bin, ging es los: Einkaufsmarathon und Stream-Vorbereitung. Und natürlich – wie könnte es anders sein – hat irgendein glorreiches Windoofs-Update mal wieder meine Audio-Einstellungen komplett zerschossen. Wäre ja auch langweilig, wenn Technik einfach mal funktionieren würde. Aber man gönnt sich ja sonst nichts.

Die wirkliche Krönung der Ankunft war dann aber der Kaffee: handgefiltert, frisch gemahlen aus wirklich guten Bohnen und veredelt mit guter Bayern-Milch. Man muss Prioritäten setzen. Die Heizung musste ich zwar kurzfristig hochjagen, aber dank Fritz! bin ich ja Herr über die Elemente.

Emotional? Naja. Immer noch etwas angeschlagen von der glorreich nicht angenommenen Liebe. Da macht man sich Mühe und dann… tja. Um es mit den Ärzten zu sagen: „Eines Tages werde ich mich rächen, ich werde die Herzen aller Mädchen brechen…“ Nein, mache ich natürlich nicht. Aber aufgeben? Ich? Am Arsch! Auf der Station haben wir jetzt tolle neue Patienten, es wird endlich richtig lustig und wir therapieren uns fröhlich gegenseitig – etwas abseits der Gruppe, versteht sich. Läuft.

Morgen kommt dann noch mein ROOOOOOOOOOOBERT zu Besuch… das kann ja nur „gut“ werden.

Ach ja, fast vergessen: Endlich wieder auf einer vernünftigen mechanischen Tastatur tippen und auf Monitore schauen, für die man keine Lupe braucht. Das Leben hat wieder einen Sinn. 🙂