Nachdem ich den beklemmenden Beitrag über häusliche Gewalt gegen Männer gesehen hatte, versprach ich meiner Therapeutin, aktiv die schönen Momente aus meinem Leben und meiner Jugend zu suchen. Es war eine Übung im bewussten Gegensteuern. Und ich wurde fündig.
Hier sind sie, so wie sie mir in den Sinn kamen – ungefiltert, nicht chronologisch, aber immer noch kristallklar.
Der allererste Blitzschlag
Ich war zarte 12 Jahre alt. Der erste superkurze Kuss mit Annabelle, der Nachbarstochter. Oh Gott, war das aufregend! Wir waren beide danach komplett verlegen. Ein wunderschöner, unvergesslicher Moment, der die Pubertät einläutete, wie ein leiser Gongschlag.
Der Metal-Riese und die Mailbox-Revolution
Dann bekam ich ihn: Meinen Amiga, mein erster eigener Heim-PC, und dazu das erste Modem. Damals gab es kein „Internet“, sondern Mailboxen – digitale Knotenpunkte, auf denen man sich einloggte und Nachrichten austauschte. Über eine solche Box hatte ich Kontakt zu Jörg, der in Lohbrügge wohnte, ich in Bergedorf.
Ich brauchte Hilfe bei einem Problem und bat ihn vorbeizukommen. Mein Vater öffnete die Tür. Er wusste, dass ich Besuch erwartete, aber nicht, wer. Digicams oder Handys? Fehlanzeige.
Vor ihm stand ein knapp 1,90 Meter großer Metaler, mit langen Haaren und Tattoos, der freundlich fragte: „Ist Ole da?“
Mein Vater, der gerade seinen Spruch „Wir kaufen nix“ anbringen wollte, verstummte im Schock über die Erscheinung. Ich erinnere mich nicht mehr an Jörgs Online-Namen, meiner war ConnerMacleod (vom Clan der Macleod, geboren 1518 im Dorf von Glenfinnen, an den Ufern des Loch Shiel – Ehrensache!). Ein anderer Kumpel aus der Zeit hieß nur JohnPlayerSpecial. Lange Zeit meine Lieblingszigarettenmarke, als es noch die schwarzen Schachteln gab.
Wir erlebten so viel. Den Beinahe-Zusammenstoß am Berliner Tor mit einem Polizeiwagen, der ohne Blaulicht und Martinshorn über die Kreuzung düste. Oder der Abend, als Jörgs Freundin heimlich ausgezogen war und die Wohnung fast leer stand. Trotz fehlender Handys schafften wir das: „Okay, normal 15 Minuten zu Dir, ich brauche 8…“ Ich brauchte real 5. Und nein, darüber diskutiere ich nicht. 😉
Die charmantesten Verkehrsverstöße
Mit Matze (Matthias) und Thomas kamen unvergessliche Abende in Hamburg, oft im Picken Pack, einer der geilsten Kneipen in der Schanze.
Einmal fuhren wir nachts um 4 Uhr heim. Es gab eine Abbiegung, die locker 10 Minuten Weg verkürzte, aber ein Linksabbiegeverbot hatte. Straße komplett leer, ich stehe da mit Blinker links. Auf einmal hören wir von draußen: „Nanana, wer will denn da links abbiegen…“ Ein Blick in den Rückspiegel: Polizei. Sie stellten sich neben uns und fuhren so langsam mit, bis wir links abbiegen durften. Sie lachten dabei. Kein Drama, kein Ticket, keine Alkoholkontrolle. Einfach nur eine humorvolle Lektion.
Die perfekte Starthilfe für die Liebe
Mit meinem besten Freund war ich unterwegs, er sah eine hübsche Frau. Ich stachelte ihn an: „Nächste Ampel steigst du aus und gibst ihr deine Visitenkarte.“ Er war verzweifelt: „Das wird nie was, die meldet sich nie…“
Er flirtete noch etwas mit ihr. Als sie an der roten Ampel links abbiegen wollte, hörte ich nur: „Festhalten.“
Er fuhr ihr an der Ampel absichtlich hinten rein. Mit dem Auto seiner Mutter, das noch keine vier Wochen alt war. So ergab sich die perfekte Liebesgeschichte. Gestanden haben wir ihr diesen kleinen Stunt erst auf der Hochzeit. Sie war nicht böse.
Der Promille-Wettkampf auf der Wache
Einmal waren Matze und ich im Sommer unterwegs. In der Jugendherberge Hamburger Hafen lernten wir zwei supernette Französinnen kennen. Mit den vieren in der City was trinken. Dann wollten wir den Ort wechseln.
Plötzlich Matze: „Scheiße!“, ich: „Was?“, er: „Die Bullen!“, ich: „Nein!“, er: „Doch!“, ich: „Scheiße!“. Ohne Absprache zogen wir eine Blues-Brothers-Einlage ab.
Man hielt uns an. Damals gab es beim Pusten noch Farbanzeigen. Der Polizist fragte: „Sie haben einen Führerschein?“, Ich: „Klar.“, er: „Dann folgen Sie uns.“
Ich versuchte mit meinem 50-PS-Fiesta einem 115-PS-Omega zu folgen, der es sichtlich genoss, uns zu jagen. Vor der Wache sagte der Polizist nur: „Sie fahren ja auch recht flott…“ Ich: „Ich musste hinterherkommen, wusste ja nicht wohin.“ Antwort: „Reinkommen, Alkoholkontrolle.“
Matze kam triumphierend wieder: „Strike! 0,78 Promille… ätsche!“ Dann war ich dran. Ich kam heraus und rief: „Winner! 0,79 Promille!“
Damals musste man deswegen noch nicht zur Blutprobe. Wir wurden darauf hingewiesen, dass unser Kennzeichen jetzt auf der Liste steht. Wir kamen raus, die beiden Frauen waren noch da. Eine sagte: „Wieso habt ihr denn nichts gesagt? Ich trinke ja keinen Alkohol, und ich habe einen Führerschein!“ Wir brachen zusammen vor Lachen, die Polizisten guckten verwirrt aus dem Fenster, begriffen aber nichts.
Danach ist sie gefahren, und wir haben erstmal am Elbstrand noch zwei Bier und zwei Kurze gekippt und einen durchgezogen.
To be continued…