Aus der Traum – Operation am offenen Herzen

Es ist vorbei. Ich habe alles zurückbekommen. Dieser Moment hat mich fast gebrochen. Ich war kurz davor zu weinen, wirklich kurz davor. Aber ich habe es geschafft, die Tränen runterzuschlucken. Denn: Ein Mann weint ja nicht. Danke, Vater, wenigstens diese Lektion sitzt, auch wenn sie mich innerlich gerade auffrisst.

Sie verlässt die Klinik. Mein einziger Sonnenstrahl, das, was mich jeden Tag aufstehen ließ. Sie war meine Hoffnung, mein Mut, der Grund für ein schneller schlagendes Herz. Jetzt fühlt es sich an, als würde mir jemand bei vollem Bewusstsein und ohne Betäubung das Herz herausreißen. Ein Gefühl, das ich in dieser Intensität noch nicht kannte. Vielleicht ist es für irgendwas gut, innerhalb kürzester Zeit das maximale Hoch und das absolute Tief zu erleben. Wer weiß das schon…

Ich bin am Boden zerstört, ein Scherbenhaufen. Menschen sprechen mich an, aber ich kann nicht antworten. Ich will nicht reden. Meine Tränensäcke brennen, sie wollen arbeiten, aber die Blockade hält. Bezeichnend: Amazon Music spült per Zufall genau das Lied in meine Playlist, das mich gerade perfekt beschreibt. Als hätte der Algorithmus Mitleid – oder Zynismus.

5 Gedanken zu „Aus der Traum – Operation am offenen Herzen“

  1. Hey Paps,

    eine Sache ist mir mega wichtig: Bitte mach keinen Mist, okay? Versprich mir das echt. Ich brauche dich als Paps 2 und du bist so ein toller Mensch.

    Vielleicht war das Timing einfach mies oder es war zu viel Gefühl auf einmal. Du bist manchmal einfach zu gut für diese Welt. Wer dich gehen lässt, ist echt bescheuert, einen Besseren gibt’s doch gar nicht. Vielleicht denkt sie ja sogar, dass sie dich gar nicht verdient hat? Keine Ahnung, ohne Reden wird man das wohl nie rausfinden. Aber jetzt guck bitte erst mal nur auf dich. Sie macht ihr Ding, du deins – und ich hoffe, ihr macht beide das Beste draus.

    Deine Channa

  2. Moin mein lieber Ole,

    es beruhigt mein hanseatisches Herz ungemein zu hören, dass du keine Dummheiten begangen hast. Dass ausgerechnet ein paar Nadeln (Akupunktur) dich davor bewahrt haben, dem Schicksal ins Handwerk zu pfuschen, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

    Kommen wir zu meiner patentierten Whiskey-Theken-Psychologie: Wenn jemand ein Geschenk nicht annehmen kann, dann meist aus der profanen Erkenntnis heraus, dass er sich des Geschenks nicht würdig fühlt. Du warst schlichtweg wieder „zu gut“. Ein klassischer Anfängerfehler unter Profis, mein Freund. Wir beide wissen doch: Die durchschnittliche Frau ist so sehr an den chronischen emotionalen Bankrott ihrer Ex-Partner gewöhnt, dass sie echte Zuneigung für einen Systemfehler hält.

    Wer jahrelang nur Nieten gezogen hat, hält den Hauptgewinn für eine Fälschung und greift aus Gewohnheit lieber wieder in die Lostrommel mit den Nieten. Wie soll sie auch begreifen, dass ein Mann existiert, der nicht nur von der Taille abwärts denkt? Das übersteigt den Erfahrungshorizont der meisten Damen, weshalb sie sich stereotypisch wieder den bekannten Arschlöchern zuwenden, statt dem einfühlsamen, leicht verrückten Unikat eine Chance zu geben.

    Mein Rat: Lehn dich zurück. Gib ihr die Zeit, die volle Tragweite ihres Verlusts zu begreifen. Die Erkenntnis kommt meistens mit der Reue – ob sie dann den Mut hat, angekrochen zu kommen, steht auf einem anderen Blatt. Dein Luxus ist es, nicht suchen zu müssen. Also übe dich in Geduld und harre der Dinge.

    In alter Verbundenheit, Maximus

    1. Werter Maximus,

      Wahrlich, Eure Zunge ist so geschliffen wie ein gutes Schwert! Ich bin tief beeindruckt von Eurer Redekunst. Mein Instinkt sagt mir, dass Eure Feder beflügelt wurde von zwei Bechern des schwarzen Suds aus dem Morgenland, veredelt mit einem Schuss Geist, und wohl zwei Gläsern vom schottischen Wasser des Lebens?

      Bis auf die Mär vom „im Staube kriechen“ pflichte ich Euch uneingeschränkt bei. Dafür sind wir Waffenbrüder seit zu vielen Monden, als dass wir hier uneins wären.

      Wisset auch: Ich habe Sorge getragen für mein eigenes Wohl. Womöglich nicht ganz nach der Lehre der Bader und Gelehrten, doch für mein Seelenheil war es unabdingbar.

      Habt Dank für Eure weise Kunde.

      1. An den edlen Verwalter, den man auch Conner aus dem Clan der MacLeods nennt:

        Wisset, dass ich den schwarzen Sud der Sarazenen (Espresso) verschmäht habe. Stattdessen labte ich mich an einem großen Becher hellen Rebensaftes zu meinem über dem Feuer gerösteten Wolfsbarsch. Ihm zur Seite lagen drei Erdäpfel und zartes Schotengemüse.

        Doch gefolgt sind darauf bereits zwei Humpen vom Wasser des Lebens (Whiskey). Der dritte wird soeben eingegossen. Ein edler Tropfen von der Springbank, der dreißig Winter im Fasse ruhte – wahrlich, er beflügelt meine Zunge und führt meine Feder wie von Zauberhand. Seid gewiss: Zwei Flaschen dieses Goldes hüte ich in meiner Schatzkammer für Eure nächste Einkehr. Dazu noch allerlei andere Köstlichkeiten, die wir dann bei einer Stange des edlen Rauchkrauts genießen werden.

        So tragt Euer Haupt hoch, Unsterblicher! Wie Ihr so trefflich spracht: Der König wird geholt. Also fühlt Euch auch wie ein solcher Herrscher.

        Gehabt Euch wohl an diesem Abend. Womöglich kreuzen sich unsere Wege später noch bei den großen Seeschlachten.

        Maximus

        1. Wahrlich, Ihr sprecht ein wahres Wort. Niemandem soll es abverlangt sein, vor Euch im Staube zu kriechen, nur um Reue für eine Verfehlung zu bekunden. Euer Edelmut ist viel zu groß und Euer Herz von zu hohem Adel, als dass Ihr solch eine Demütigung jemals fordern würdet.

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