Freitagabend: Okay. Samstagmorgen: Willkommen in der Apokalypse. Nein, es lag nicht am nächtlichen Überraschungsbesuch oder dem „Rahmenprogramm“. Es lag einfach am Morgen selbst. Meine Ärztin nennt es „antriebslos“. Ich nenne es: „Körperlicher Totalschaden“. Ich komme kaum die Treppe hoch, fühle mich wie von einem 40-Tonner überrollt und habe heute mehr geschlafen als eine Katze im Koma (bis mittags, dann nochmal zwei Stunden Bonus). Ergebnis: Immer noch im Eimer. Leistungsfähigkeit? Unter 50%. Der Stream gestern war nach 1,5 Stunden vorbei, weil der Akku leer war. Ein alkoholfreies Bier, dann gingen die Lichter aus.
Und dann komm ich um 10 Uhr hier an, schleppe meinen Kadaver auf die Station, und die Pflegerin feuert die pädagogische Wunderwaffe ab: „Probieren Sie doch mal was anderes aus.“ Ach, was für eine brillante Idee! Darauf wäre ich ja nie gekommen. Was genau schlägt die Fachkraft vor? Einfach liegenbleiben und verfaulen? Suizid als kreative Alternative? Ein kleiner Amoklauf zur Auflockerung? Oder soll ich ins Hotel ziehen? Wenn ich wüsste, was ich ändern soll, würde ich hier nicht wie ein Zombie durch die Gänge schlurfen. Danke für das Gespräch.
Alternatives Ende:
Das Highlight war aber die Begrüßung durch das Pflegepersonal. Auf meinen Zustand hin kam der weltbewegende Tipp: „Probieren Sie doch mal was anderes aus.“ Sensationell. Ich werde es mir zu Herzen nehmen. Statt „Depression“ probiere ich morgen mal „Lotto-Millionär“ aus. Oder „Herzinfarkt“, das soll ja auch abwechslungsreich sein. Manchmal frage ich mich, ob die Ratschläge im Glückskeks stehen oder ob das ernst gemeint ist.
Wen bitte hattest Du zu Besuch?
Neugierig bin… Channa
Das war etwas ganz spontanes, erzähle ich Dir mal am Telefon.